Nun sind wir auf Feuerland angekommen. Und am Flughafen von Ushuaia warten wir vergeblich auf den Transfer zur Autovermietung. Die äußerst nette Dame am Info Schalter ruft bei Alamo an und schon nach 30 Minuten werden wir abgeholt.
Unser Mietauto ist zwar ein Chevy, das Fahrgefühl und die Geräusche beim Beschleunigen sagen uns, dieses Auto hat seine besten Jahre bereits hinter sich.
Parkplätze sind hier sehr knapp, so wird gefährlich eng geparkt. Und das sogar abwärts, sportlich, sportlich.

Von unserem Hotelzimmer aus haben wir die super Sicht auf die Marina, die chilenischen schneebedeckten Berge im Hintergrund und den Beagle-Kanal.



Am Martial Gletscher fährt die versprochene Seilbahn nicht, es ist schließlich Sommer und keine Skisaison. Aber von hier oben hat man den schönsten Blick über den Ort und den Kanal. Leider ist es durch den Schneeregen etwas trüb.



Bei zunehmendem Wind fällt auch unsere Wanderung recht kurz aus.
Und uns begegnen auf Schritt und Tritt Denkmäler zum Falklandkrieg, selbst in noch so kleinen Dörfern.

Argentinien scheint ein streitbares Land zu sein. Nach argentinischer Auffassung gehören die Falklandinseln seit 1820 zu Argentinien, trotz des dort seit 1833 existierenden britischen Flottenstützpunktes. Den sogenannten Falklandkrieg 1982 verloren die Argentinier nach kurzen blutigen Kämpfen. Und obwohl sich 99,8 Prozent der Bewohner 2013 für einen Verbleib bei Großbritannien aussprachen, wurde von Argentinien der Anspruch auf die Malvinas erneuert. Auch auf die chilenischen Inseln Lennox, Picton und Nueva am Ostende des Beagle-Kanals erhob Argentinien Abspruch und gab 1978 den Befehl zur militärischen Besetzung dieser Inseln, ungeachtet des seit 1881 bestehenden Grenzvertrages mit Chile. Durch Vermittlung von Papst Johannes Paul II wurde die Lage entschärft, jedoch erst 1985 eine Einigung erreicht.

Beim Verlassen oder Hineinfahren von Ushuaia muss man durch eine Polizeikontrolle, wir fühlen uns fast wie in Usbekistan.



Wir fahren die Panamericana Richtung Nordosten bis zum Garibaldi Pass



vorbei an Sumpfgebieten, Wäldern und verlassenen Biberburgen.




Nach einem Abstecher zum Playa Larga am Beagle-Kanal schauen wir am Baliza Escarpados auf den berühmten, jedoch enttäuschend kleinen, Leuchtturm Ushuaias.



Besonders außerhalb des Tourizentrums staunen wir über die winzig kleinen Häuser.




Auf der Suche nach 'Parilla' schlendern wir die Hauptstraße entlang,



landen wieder in der La Estancia und kosten diesmal sogar die Chorizo.



Die Wurst schmeckt lecker und viel besser als die in Deutschland angebotene.
Der check in für die dreitägige Reise mit der 'Stella Australis' gestaltet sich sehr langwierig, Formulare, Formulare, Formulare . . .
Schließlich verlassen wir Argentinien und reisen mitten im Beagle-Kanal nach Chile ein.
In der pitoresken Confiteria Ramos Generalos



genießen wir die bisher besten Empanadas und köstliches leicht salziges Käsegebäck,



ansonsten gibt es vorwiegend Sandwich, Burger oder Pizza.
Den Nachmittag nutzen wir zum Besuch des wunderschönen Tierra del Fuego National Parks, also die Panamerica Richtung Westen bis zum 'Ende der Welt'.



In dem subantarktischen Buchenwald fühlen wir uns fast wie zu Hause, viel Wasser, heftiger Wind, salziger Boden, Torfaugen und natürlich Windflüchter.



In den Salzwiesen wachsen Grasnelken, Flechten und Moose.
Aber hier gedeihen auch etliche nur auf der Südhalbkugel vorkommende Pflanzen, wie
- der Feuerbusch (Embothrium Coccineum)
- die Winterrinde (Drimys winteri), ein immergrüner Strauch mit weißen duftenden Blüten
- das riesige Teppiche bildende Mini-Mammut-Blatt (Gunnera Magellanica) mit einer Wuchshöhe von maximal 15 Zentimetern, von den Einheimischen Frucht des Teufels genannt
- Ribes Magellanicum sieht aus wie die Urform der Johannisbeere
- die schöne Fuchsia Magellanica wächst hier in freier Natur, aber nicht auf meinem Balkon, Neid, Neid, Neid.
Und das Misodendrum ist unserer Mistel sehr ähnlich.



Diese Schlauchpilze (Cyttaria) sind eßbar und werden 'Indianerbrot' genannt.



Die leuchtend roten Beeren der Torfmyrte, einem Heidekrautgewächs, funkeln herrlich in der Sonne.



Austernfischer, Kormorane, Gänse, Ibisse, Taucher, Enten und Bekassinen (ähnlich Strandläufer) begegnen uns auf Schritt und Tritt. Den endemischen Feuerlandfuchs und den kleinen südlichen Seeotter entdecken wir leider nicht.
Wir verzichten auf die Fahrt im historischen Zug. Der fährt noch langsamer als der Molli, aber auf überraschend engen Schienen.



Im Souvenirladen entdecken wir ein Buch über Plüschow. Das müssen wir natürlich haben.
Beim Besuch des südlichsten Postamtes lasse ich mir den entsprechenden Stempel auch gleich in das neu erstandene Buch geben.



Pünktlich um 19:00 Uhr erreichen wir gemeinsam mit Erica und Walter als letzte Passiere unser Expeditionsschiff 'Stella Australis'.

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