Die 'Stella Australis' bezeichnet sich selbst als 'Expeditionsschiff' und die Reise durch den Beagle-Kanal bis nach Punta Arenas als Expedition.

Für die 190 Passagiere ist alles super organisiert. Wir können wählen zwischen Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch bei Vorträgen und auch den Landgängen.
Unser Führer ist Augustin aus Paris. Wir lieben seinen französischen Akzent. Und ein bißchen sieht er sogar aus wie D’Artagnan. 
Die verschiedenen Salons sind den ganzen Tag auf Gäste vorbereitet. Im 4. Deck, Salon Sky, gibt es ab 6:00 Uhr Snacks für Frühaufsteher und bis zum Abendbrot Kaffee und Kuchen zum Selbstbedienen. Im Salon Darwin, 5. Deck, steht die reichlich ausgestattete Bar uns fast rund um die Uhr zur Verfügung. Und man braucht nicht einen Pfennig dazu bezahlen.
Weiterhin werden die Salons für diverse Vorträge und Filme, wie über Ernest Shackletons oder Natur und Umwelt Patagoniens, genutzt. Und sogar die Kommandobrücke dürfen wir besichtigen.
Frühstück und Mittag sind sehr reichlich mit warmen und kaltem Buffet, Desserts, Kuchen und sogar Eis. Da ist für jeden etwas dabei. Dinner besteht aus einem 'internationalen' drei Gänge Menü. Natürlich gibt es auch reichlich Wein dazu. Und für jeden Tisch steht ein besonders aufmerksamer und freundlicher Ober bereit.
Wir sind hungrig, aber wissen bereits, in Südamerika wird nur selten vor 20:00 Uhr mit dem Abendbrot begonnen.
Außerdem müssen wir erst noch die Sicherheitseinweisungen über uns ergehen lassen. Dazu gehören das Anpassen der Schwimmwesten und 'wie schwinge ich mich in ein Zodiac-Schlauchboot'.
Dann gibt es noch die Begrüßung durch den Kapitän und die Vorstellung der Crew bis wir endlich das Willkommens-Dinner genießen dürfen.
Vom obersten Außendeck werfen wir einen Blick zurück nach Norden auf das argentinische Ushuaia

und Richtung Süden schauen wir auf die dunkel umwölkten chilenischen Berge.

Die 'Stella Australis' überquert den Beagle-Kanal und schon sind wir in Chile. Die Einreiseformalitäten erledigt die Besatzung während wir selig in unseren Kojen träumen.
Es ist ausschließlich chilenischen Schiffen gestattet, die chilenischen Gewässer des Beagle-Kanals zu befahren. Bei den Stänkereien, die Argentinien mit seinen Nachbarn vom Zaune bricht, wundert uns das nicht. Somit ist die 'Australis' die einzige Reederei, die durch die vielen Kanäle zum Kap Horn und den Beagle-Kanal bis zu seinem westlichen Ende fahren darf.
Bei Sonnenaufgang erreichen wir Kap Horn und gegen 7:00 Uhr beginnt das Ausbooten zur Insel Hornus.

Vier Zodiacs mit je 12 Passagieren an Bord pendeln hin und her. Aber die Besatzung ist ein eingespieltes Team und sämtliche Passagiere werden wohlbehalten an Land gebracht. Dort stehen zwei nette Herren bis zur Hüfte im Wasser und halten die in der Dünung auf und ab schaukelnden Boote fest. Da kann man wohl bei stärkerem Seegang nicht gefahrlos an Land gehen. Aber wir haben Glück, es ist Bombenwetter, zumindest für diese Region, bloß ein wenig Niesel und fast keine Dünung.
Der Inselkapitän empfängt uns und nimmt die Parade ab.

Der Kapitän ist jeweils für ein Jahr mit seiner Familie auf der Insel stationiert.
Der Boardwalk

 zum Kap-Horn-Monument mit dem Bild des Albatrosses scheint neu angelegt zu sein.

Wir haben leider keinen der hier vorkommenden Schwarzbrauen-Albatrosse gesehen. Dafür die Braune Sku, eine Raubmöwenart, mit langen, schmalen, am Ende spitz zulaufenden Flügeln. Sie sind viel schneller und wendiger als Möwen und der elegante und wendige Flug erinnert schon sehr an Albatrosse. Wir schauen stundenlang zu, wie sie kurz über dem Wasser ohne einen einzigen Flügelschlag dahin gleiten.
Am Leuchtturm stempelt die Frau des Kapitäns die Ansichtskarten.

Mein Stempel geht natürlich wieder in das Plüschow-Buch.
Nachdem endlich alle Passagiere zurück an Bord sind, wagt unser Kapitän wegen des tollen Wetters noch eine halbe Stunde Fahrt Richtung Südwesten ins offene Meer, wo sich Pazifik und Atlantik treffen. Nun bekommen wir die light-Version des gefürchteten Kap-Horn-Wetters, das Schiff wird von ordentlichen Brechern gestreift, es schaukelt so schön.

In der Wulaia Bucht auf der Insel Navarino dürfen wir sogar die Schwimmwesten ablegen.

Und auch die dicken Jacken lassen wir liegen, denn die Sonne wärmt uns gut durch. Entspannt besuchen wir das Museum in der alten Funkstation und laufen durch den magellanischen Urwald.

Den Magellan Riesenschwarzspecht entdecken wir leider nicht, wir hören nur sein Krächzen.
Aber die Sicht auf unser Schiff ist fantastisch.

Früher lebten In dieser lebensfeindlichen Gegend die Yámana, die jedoch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet wurden. Da es hier kaum eßbare Früchte oder Jagdwild gibt, ernährten sich diese Wassernomaden vorwiegend von Muscheln und Krebsen.
Heute haben Wildschweine und Biber diese menschenleere Insel erobert. Die Verwüstungen sind nicht zu übersehen.

Der Wanderpfad und das Museum werden von der Reederei 'Australis' für die 2-maligen wöchentlichen Besuche nur ihrer Passagiere gepflegt. So können wir den Nachbau einer der niedrigen, aus Baumästen gefertigten Hütten der Yámana bestaunen.

Die spektakuläre Strasse der Gletscher der Darwinkordillere passieren wir leider nachts. Indes begleiten uns die gesamte Tour spektakuläre Aussichten auf schneebedeckte Berge aus denen hin und wieder eine Gletscherzunge hervor lugt.

Wer allerdings vorwiegend wegen der Gletscher mit der 'Australis' fährt, sollte die Tour von Punta Arenas nach Ushuaia buchen, die dauert 4 Nächte und man kann tagsüber die Allee der Gletscher genießen.
Hin und wieder zeigen sich die auffällig schwarz-weiß gezeichneten Commerson-Delfinen. Genau wie die Hector-Delfine sehen sie ein wenig anders aus, als die uns bekannten Delfine, wie z.B. Tümmler.
Beim Umrunden der Brecknock-Halbinsel fahren wir ein kurzes Stück durch freies Wasser und es wird wieder ein wenig schaukelig.
Im Agostini-Fjord erreichen wir den Aguila Gletscher

und laufen bis an die Stirnseite des Gletschers.

Durch Luftaufnahmen von vor 100 Jahren weiß man, dass die Gletscher des Darwin Eisfeldes nicht abschmelzen. Die Bäume direkt vor der Eiswand bestätigen das.

Die Bewölkung reißt auf und extra für uns steigt ein Regenbogen empor.

Auch hier gibt es den magellanischen Urwald mit seinen faszinierenden Flechten und Moosen.


Früh morgens erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein, nun bereits schon in der Magellanstraße, und die knapp 70.000 Brutpaare der Magellan Pinguine auf Magdalena Island, dem Monumento Natural Los Pingüinos, erwarten uns schon.

Einer begrüßt uns sogar mit seinem 'Gesang'.

Und so eine Pinguinparade ist immer wieder hinreißend anzusehen.

Auf dieser Insel brüten außerdem Blauaugenscharben (Antarktischer Kormoran), Dominikanermöwen und Skuas. Eine Möwe brütet direkt am Weg und fühlt sich natürlich durch uns aufgeschreckt.

Der Rundweg über die Insel führt an hunderten von Erdhöhlen, in denen bereits gebrütet wird, vorbei.

Der Wind frischt mächtig auf und die Rückfahrt zur 'Stella' gestaltet sich bei zunehmendem Wellengang etwas schwierig. Pech, wenn man als letzter ins Zodiac steigt, dann sitzt man nämlich ganz vorn und bekommt heute die volle Dusche ab. Und auch unser Schlauchboot schafft es erst nach fünf Versuchen an der 'Stella' anzulegen.
Der heftige Wind von vorn und das ständige Auf und Ab der Wellen bereiten unserem Schiff ein wenig Schwierigkeiten, so dass wir zwei Stunden später als avisiert in Punta Arenas, nun wieder in Patagonien, landen.

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