El Calafate erwartet uns mit wolkenlosem Himmel bei 23°C und heftigem Wind. Unser Mietauto ist ein Gol, für das 'f' hat es nicht mehr gereicht – und für vieles andere in diesem VW auch nicht.



Tanken geht wie zu DDR-Zeiten, nur mit Tankwart und Warteschlange.
Die Straßen sind sehr breit, zwei Spuren pro Fahrbahn, Höchstgeschwindigkeit 60 Km/h und kein Auto weit und breit. Selbst einfach links abbiegen ist nicht erlaubt. Rechnet man in dieser abgelegenen Gegend etwa mit rush our?
Von unserem Hotel aus



haben wir einen tollen Blick auf die Redonda Bucht im Lago Argentina, dem größten See Argentiniens, der über den Rio Santa Cruz in den Atlantik entwässert wird.
Wir beobachten Pferde und Wasservögel, die versprochenen Flamingos hatten gerade Urlaub.



Im PANTAGONIA mit der deutschsprachigen Bäckerin holen wir uns Snacks für Zwischendurch und Restaurant-Empfehlungen zum Abendbrot.



La Tablita öffnet erst um 20:00 Uhr. Wir sind müde und hungrig, also nehmen wir bei Casimiro Biguá das wunderbare Steak. Morgen gibt es dann das gegrillte Lamm im gepriesenen La Tablita, auch sehr gut.
Am nächsten Morgen gegen 8:00 Uhr sind nur noch 7°C und Niesel. Auf den 80 Kilometern bis zum Perito Moreno fahren wir gefühlsmäßig durch die weiten Grassteppen der Pampa,



obwohl El Calafate nicht zu dieser Ökoregion gehört.
Die Berge kommen näher, die Wolken zeigen erste Lücken und wir bewundern die Eisfelder über dem fantastisch türkis leuchtenden Wasser des Lago Argentino.



Trotz des geringen Verkehrs gibt es eine Menge Roadkill, vorwiegend Karnickel.
Maras und Anden-Rehe soll es hier geben, uns zeigt sich jedoch keines. Dafür jede Menge an Greifvögeln: Aguila Mora (Blaubussard oder Black-Chested Buzzard-Eagle, der hier Kordillerenadler genannt wird) und auch Chimango-Karakara (Geierfalke).



Und plötzlich etwas großes schwarzes am Himmel, tatsächlich ein Kondor. Nein, es sind sechs! Begeistert beobachten wir die mächtigen Tiere eine ganze Weile.



Uns überholt eine Horde unendlich schmutziger Bikes.



Offensichtlich sind die bereits eine ganze Strecke auf der Panamericana unterwegs, dieser berühmten Schnellstraße, die sich mit etwa 18.000 Kilometer über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung Amerikas erstreckt und so Alaska mit Feuerland verbindet. Das ist dann doch etwas 'to much' für Dieter. Er bleibt lieber beim gemütlichen Harley-Cruisen durch Oregon und Kalifornien.
Am Eingang des Perito Moreno National Parks müssen wir bar bezahlen und ausschließlich in Landeswährung. Das überfordert uns ein wenig, denn überall kann man mit Karte oder EUR oder Dollar zahlen, nur nicht im National Park. Gerade so bekommen wir die 1.000 Pesos zusammengekratzt.
Das Plüschow-Denkmal ist schon etwas in die Jahre gekommen und viel Besuch bekommt es wohl auch nicht,



obwohl Gunther Plüschow hier sehr verehrt wird. Sogar ein Gletscher wurde nach ihm benannt.
Wer sich für den in Deutschland vergessenen Flugpionier interessiert, kann im Phantechnikum Wismar die Sonderausstellung 'Gunther Plüschow – Flugpionier, Forscher, Abenteurer' bis zum 29. April 2018 besuchen.
Der National Park Perito Moreno ist schöner als erwartet, üppige Vegetation, rot blühende Büsche,



viele Blumen,

gelber Gingster.
Und diese kleinen blauen Blümchen sehen aus wie die Urform unserer Zaunwicke.



Dann endlich ist der Blick frei auf den berühmten Gletscher, der jedoch bereits im National Park Los Glaciares liegt.
Die fünf Kilometer lange und bis zu 77 Meter hohe Eiswand ist sehr beeindruckend.



Im Gegensatz zu vielen anderen Gletschern zieht sich dieser nicht zurück. Seine im Lago Argentino endende Gletscherzunge erreicht regelmäßig das Ufer der Magallan-Halbinsel und sperrt somit den südlichen Arm des Sees, den Brazo Rico, ab. Damit staut sich dieser Teil des Sees bis zu 9,30 Meter auf.
Wird der Druck zu groß, beginnt das Wasser durch Risse im Eis durchzubrechen bis die gesamte Eisfront zerbirst. Dieses Spektakel wiederholt sich alle zwei bis vier Jahre, zum letzten Mal im März 2016.
(s. Youtube-Video)
Offensichtlich ist es bald wieder so weit. Aber noch scheint es Kanäle im Eis zu geben, über die das Wasser ablaufen kann.


 
Selbst der einsetzende Hagel hält uns nicht davon zurück, den wunderschön angelegten, mehrere Kilometer langen Boardwalk entlang zu laufen. Am Ausichtspunkt ist es geschützt und sogar die Sonne zeigt sich ein wenig.
Das Kalben des Gletschers ist nicht ganz so spektakulär wie wir es in Alaska erlebten. Das Eis bricht zwar mit lautem Knall ab, fällt aber nicht kompakt ins Wasser sondern zerbröselt auf dem Weg dahin. So gibt es keine großen Eisberge.



So peau a peau treffen die Busse ein. Uns wird es zu voll und wir fahren zurück in die Sonne von El Calafate.
Auf dem Weg dahin stellt sich dieser Schopfkarakara so richtig in Positur.



Wir müssen noch Bargeld zapfen. Man bekommt nur 1.000 Pesos (1 EUR = 20 ARS) pro Vorgang, dazu jedesmal 105 Pesos Gebühren, unverschämt!
Der Innenraum des Plüschow-Resto ist mit Bildern und Fotos des Namensgebers liebevoll dekoriert. Wir nehmen einen Absacker und schwatzen mit dem Wirt über Heinkel, das Flugwesen und die Welt.



Tja, nichts geht eben über Reisetipps von ehemaligen Schulkameraden.



Mit LATAM Airlines fliegen wir nach Ushuaia und sind nun in Feuerland. Hört sich das nicht spannend an?
In den wärmsten Monaten liegt das Monatsmittel bei 6 bis 10 °C mit einer Vegetationsperiode von zwei bis vier Monaten, das nennt sich hier 'Sommer'.
Und ich frage mich, ob ich das wirklich will?

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