Wir entscheiden uns für die größte der Azoreninseln São Miguel mit der Hauptstadt Ponta Delgada.
Aber uns hat es vor allen Dingen das Tal von Furnas mit den vielen Thermalquellen und Fumarolen angetan. Es dampft und brodelt an allen Ecken und Enden, stets liegt ein leichter Schwefelgeruch über dem Örtchen.

Das alten Kurhaus von Furnas wurde zu einem modernen SPA-Hotel umgebaut und erst vor drei Jahren eröffnet.

Die Innenräume des Hotels sind mit Tapeten in grün, braun und weiß, was an die Schwaden der Thermalquellen erinnern sollen, sowie riesigen Naturfotos dekoriert.

Das angeschlossene Spa wird von den heißen Quellen der Umgebung gespeist. Das Hotel ist nur halb ausgebucht und in dem herrlichen Bereich mit den 36°C warmen Schwimmbecken sowie den Saunen ist es oft ziemlich einsam, wundervoll.
Zu dieser Jahreszeit sind nur wenige Touristen auf den Azoren unterwegs und es ist angenehm leer. Auch die Reisebusse halten Winterschlaf, die riesigen Stellplätze sind wie leer gefegt. So genießen wir etliche  Attraktionen ganz allein.

Am Lagoa das Furmas kann man bei der Entnahme des berühmten Cozido aus dem heißen Vulkanboden zuschauen.
Die großen, mit verschiedenen Sorten Fleisch, wenig Mohrrüben, viel Kohl, Kartoffeln, Taro, süße Blutwurst (Pommern lässt grüßen) und Würstchen gefüllte Töpfe werden an Seilen in die Löcher hinabgelassen und sorgfältig mit Tüchern und einer großen Holzplatte verschlossen. Darauf werden kleine Türmchen aus Erde geschaufelt.

Nach fast sieben Stunden werden die Töpfe vorsichtig aus den Erdlöchern gehoben. Und natürlich ist das Spektakel ein riesiger Touristenmagnet.

Den Cozido kann man in den verschiedenen Restaurants von Furnas genießen. Es sind sehr große Portionen, da werden wir zwei gut satt und es bleibt sogar noch etwas übrig.
Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Salto do Prego, dem Wasserfall dessen Bild unsere Hotel Lobby schmückt.

Der 4,5 Kilometer lange Wanderweg führt durch Gärten und Tarofelder. Allerdings ist der Weg nicht ganz so moderat wie beschrieben, denn es ist teilweise ziemlich steil (10 bis 35%) und sehr uneben.

In dem kleinen Dörfchen Ribeira Quente schauen wir den Fischern beim Flicken ihrer Netze sowie beim Reparieren der ziemlich kleinen Boote zu.

Auch das angepriesene Steak beim Associação Agricola in Campo de Santana ist ziemlich lecker, leider wird es in salziger Fertigsoße ertränkt.
Auf dem Weg zum pittoresken Dorf Rocha da Relva geraten wir auf dem Eselspfad mit Steigungen zwischen 10 und 22% ordentlich ins Schwitzen. Hier gibt es zwar Wasseranschluss, jedoch keine Elektrizität. So zieren etliche Solarpanele die Dächer. Sämtliche Nahrungsmittel, Einkäufe, Baumaterialien u.s.w. müssen mit dem Esel hierher transportiert werden.

Es geht auf 5,5 Kilometern steil bergab und bergauf, ganz schön anstrengend.

Einige Häuser sehen verlassen aus, aber etliche sind liebevoll restauriert und dauerhaft bewohnt.
Auf dem Weg begegnen uns Fischer, die stolz und frierend ihren Octopusfang präsentieren.

Auf den vom Atlantik gut abgeschliffenen runden Steinen nehmen wir unser Picknick, sogar die Sonne zeigt sich für eine Weile.

Zu unserem Erstaunen gibt es hier direkt am Meer eine Menge winziger Weingärten, die mit traditionellen Mäuerchen aus Vulkangestein eingefasst sind.

Wir fahren Richtung Westen, vorbei am Leuchtturm von Ponta da Ferraria, zum Monumento Natural do Pico das Caraminhas mit den heißen Quellen im Meer.

Und die vielen schwarzen Lavafelsen erinnern ein wenig an Hawai'i.

Die Straßen in den Dörfern sind so eng, dass man sich anfangs nicht traut hinein zu fahren. Spannend wird es aber erst, wenn einem dann noch ein Bus entgegen kommt und er es nur unter Ausnutzung des nicht vorhandenen Bürgersteiges (zwei Millimeter von der Hauswand entfernt) schafft, uns nicht zu rammen.

Bei diesen engen Gassen ist es nicht verwunderlich, dass die Dörfer aus einem Labyrinth von Einbahnstraßen bestehen, man verliert völlig die Orientierung. So müssen wir in Mosteiros mehrfach kreisen, denn ausgewiesene Straßen stellen sich teilweise als Eselspfade heraus. Nach mehrmaligem am Ausgang vorbei fahren, wegen links abbiegen verboten, dann rechts abbiegen verboten, finden wir endlich den richtigen Weg aus dem Dorf.
Die Landstraßen gehen bergauf- und ab durch enge Kurven, oft sind nur 40kmh möglich, nach einer Haarnadelkurve trifft man auf eine Steigung von 20 bis 30%. Da kommt man nur im 1. Gang voran. Schilder sind hier völlig überflüssig, die Einheimischen kennen das Gelände. Oftmals gleichen 'richtige' Straßen auch eher unseren Feldwegen. Mir macht das Fahren hier super Spaß, herrlich.
Und überall ist es grün und wunderbar gepflegt. Uns erscheint es, als wären 50% der Bevölkerung mit der Pflege der Insel beschäftigt. Die Straßenränder sind immer gemäht, die Büsche beschnitten und Wildwuchs entfernt.