Mit dem upgrade auf 1. Klasse für nur 19 € erreichen wir per Bahn völlig entspannt den Hamburger Airport. Einchecken geht ganz easy und langsam gewöhnt man sich auch daran, den Bording Pass bereits zu Hause auszudrucken.
In Windhuk empfangen uns kühle 18°C, am ATM gibt es nur Südafrikanische Rand und keine Namibia$. Leichte Verwirrung, aber N$ bekommt man nur noch als Wechselgeld.
Das Auto in Empfang zu nehmen, dauert diesmal relativ lange, schließlich müssen wir ja auch das Dachzelt auf- und abbauen können.

Mit doppeltem Tank (160 Liter Diesel), 30 Liter Wasser, Tisch und Stühlen, Kochutensilien, Geschirr, Besteck und Allem, was man sonst noch so braucht, sind wir hervorragend ausgestattet.
Das heutige Namibia entstand 1884 im Ergebnis der willkürlichen Aufteilung Afrikas durch die Europäer als Deutsch-Südwest-Afrika. Die deutsche Kolonialzeit endete jedoch schon nach dem 1. Weltkrieg. 1920 stellte der Völkerbund Deutsch-Südwest-Afrika unter südafrikanisches Mandat und begünstigte damit die Einführung der Apartheid in Namibia.
Erst 1988 erklärte sich Südafrika bereit, die Besatzung Namibias aufzugeben. 1989 fanden die ersten freien Wahlen in der Geschichte Namibias statt und die südafrikanischen Streitkräfte zogen bis November 1989 vollständig ab. Im März 1990 erlangte Namibi seine Unabhängigkeit.
Da dies zeitgleich mit der friedlichen Revolution in der DDR und der Bildung eines einheitlichen Deutschlands passierte, ist die Entwicklung Namibias zu einem unabhängigen Staat in Europa kaum bemerkt worden, jedenfalls nicht medienwirksam.
Die Straßenverhältnisse sind wesentlich besser als vor 15 Jahren, nur noch ganz wenig Waschbrett, meist asphaltiert.

So konnten wir mit 120 kmh zügig durchfahren und erreichen nach fünf Stunden den Waterberg bei angenehmen 32°C.

Die Campsite der Wilderness Lodge ist wunderschön. Aber man sollte vorher buchen, sämtliche Stellplätze sind belegt.

Nach 40 Stunden unterwegs sind wir ein wenig durch den Wind. Um nicht sofort einzuschlafen, unternehmen wir die geführte Tour durch die riesige Waterberg Wilderness.

Wir sehen Kuhantilopen, Kudus, Giraffen

und fünf Rhinos, natürlich nur die weißen. Total aus dem Häuschen geraten wir dann bei der Mutter mit Baby.

Zum Kochen sind wir zu müde, also nehmen wir in der Lodge das Dinner: Spinatsuppe, Coleslow, Kudu Goulasch, Tiramisu, alles frisch zubereitet und sehr lecker.
Des nachts versucht ein Stachelschwein lautstark, aber vergeblich, unseren gut geschützten Mülleimer zu plündern.
Da es keine Zeitverschiebung gibt, gibt es auch keinen Jetlag.
6:30 Uhr stehen wir auf, frühstücken und laufen die einsamen Trails der Waterberg Wilderness. Dabei begegnen uns Dikdiks (die kleinsten Antilopen),

Paviane,

Kudus und jede Menge Vögel.

Der Waterberg ist etwa 48 Kilometer lang, 15 Kilometer breit und überragt seine Umgebung um fast 200 Meter. Der zu oberst liegende Sandstein nimmt den Regen wie ein Schwamm auf. Das gespeicherte Wasser tritt dann am Rand der leicht nach Südosten abfallenden wasserundurchlässigen Schicht als Quellen wieder aus.
Durch die größte der Quellen Otsosongombe werden die gesamte Lodge und auch die Campsites mit Wasser versorgt. Es können jedoch nur 50% des Wassers abgezweigt werden, da die anderen 50% für die Wildtiere bleiben müssen. Somit ist eine Erweiterung der Anlage nicht möglich.
Um die Quelle herum ist es natürlich schön grün, sogar Brunnenkresse wächst hier.

Die Chance zum langsamen Akklimatisieren bekommen wir nicht, bereits um 11:00 Uhr ist das Thermometer auf 39°C angestiegen.
Wir spazieren zum Aussichtspunkt mit Blick auf das Schlachtfeld von 1904, wo der Völkermord in Deutsch-Südwestafrika etwa 50.000 Herero sowie 10.000 Nama das Leben gekostet hat.
Richtung Rundu fahren wir nicht über die autobahnähnliche B1, sondern nehmen die unbefestigte C47 durch das Gebiet der Herero

mit den schönen bunten Häusern.

 Hinter Coblenz beginnt die Region der Kraale mit den traditionellen Rundhütten.

Ziegen, Esel oder Kühe an und auf der Straße gehören zum normalen Bild.

Wir kommen an unendlich vielen Feuern vorbei.
In Namibia sind 32 Millionen Hektar Weideland verbuscht. Viele Büsche nehmen mit ihrem weitverbreiteten flachen Wurzelnetz das Wasser schneller auf, als es in den Boden eindringen kann. So können die Grundwasserreserven nicht aufgefüllt werden.
Aus den abgehackten Büschen und ihren Wurzeln wird durch kontrollierte Brände in Metalltonnen Holzkohle hergestellt. Dadurch sind bereits einige tausend Hektar Savannen wiedergewonnen und knapp 4.000 Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren geschaffen worden. Diese organisierte Holzkohleproduktion ist ein Teil der Armutsbekämpfung.
Die letzten Kilometer bis Rundu bestehen aus Staub und Schilfhütten.

In Rundu selbst werden die Schilfhütten von Steinhäusern abgelöst, jedoch stets mit einem Zaun umgeben.