Im Hotel 'Rinno' in Vilnius ist nur noch für eine Nacht etwas frei, aber wenn wir das Zimmer wechseln, sind auch zwei Nächte möglich. Wir bleiben, das Auto parkt vor der Tür und, die Fahrräder im Hotel.

Vilnius sieht völlig anders aus als die Hansestädte der Küste, dennoch sehr schön. Hier gibt es Kirchen, Kirchen und nochmals Kirchen, eben 'Rom des Ostens'.
Seit 1994 ist die Altstadt von Vilnius mit ihren 324 Gebäuden der Gotik, der Renaissance, des Barock und des Klassizismus UNESCO-Weltkulturerbe.
Wir schlendern zum Aušros Tor aus dem 16. Jahrhundert, dem einzigen erhalten gebliebenen Stadttor.

Auf der Stadtinnenseite beherbergt das Tor eines der wichtigsten Kultur- und Architekturdenkmäler der Stadt, die Kapelle mit der Wunderikone der Gebenedeiten Jungfrau Maria voll Gnaden, eines der wenigen Bilder der Muttergottes ohne Kind.

Es ist ein bedeutender Wallfahrtsort für katholische sowie orthodoxe Christen.

Die Kapelle im Tor der Morgenröte hat einen Zugang zur Kirche der Heiligen Teresa, die zum Kloster der 'Unbeschuhten Karmeliten' gehört.

Innerhalb der Kirche befindet sich ein beeindruckender Altar.

 

Wir speisen echt litauisch mit riesigen Portionen: in Butter gebackenes Brot mit frischem Knoblauch und flüssigem Käse, (evtl. litauische Variante des Käse Fondues?), geschmorten Schweinebraten und Rehgulasch in Rotwein. Super lecker, wir sind zum Platzen voll und haben doch nicht alles geschafft.

Noch kurz vor dem zweiten Weltkrieg stellten Litauer 2%, Juden 40%, Polen 30% und Russen 20% der Bevölkerung in Vilnius. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte die Stadt die Mehrheit ihrer Bewohner verloren: die Polen vertrieben, die Juden ermordet.
In dem früher mehrheitlich von Juden bewohnten Stadtteil Užupis, waren die leerstehenden Häuser von Kriminellen, Obdachlosen und Prostituierten besetzt worden. Viele Häuser hatten weder Strom noch sanitäre Anlagen und so begannen die Bewohner nach und nach die Häuser zu sanieren.
Am 01. April 1997 wurde die Freie Republik Užupis ausgerufen. Die Skulptur des Trompete spielenden Engels ist Symbolfigur des Stadtteils, weswegen Užupis auch 'Engelsrepublik' genannt wird.

Wir geraten in einen Platzregen, den man nur bei einem Irish Coffee abwettern kann. Natürlich erwischen wir das Parlamentsgebäude von Užupis, das Café Užupio Kavinė. Dort ist auf einer Bronzetafel die Verfassung mit ihren 41 Artikeln niedergelegt.
Diese Verfassung ist in 23 Sprachen auch öffentlich ausgehängt.

Uns gefallen besonders
Artikel 2: Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein Ziegeldach.
Artikel 13: Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Hausherrn zu lieben, aber in schweren Momenten muss sie ihm beistehen.
Artikel 41: Gib nicht auf
Erstaunlich sind auch die eindrucksvollen Innenhöfe, teilweise kunstvoll gestaltet oder auch zugemölt.

Aber ein Vergleich mit der dänischen Hippie-Siedlung Christiania oder dem Pariser Künstlerviertel Montmartre wird von den Bewohnern des Viertels abgelehnt.
So ziehen wir weiter durch die vielen kleinen Gassen der barocken Altstadt.

Die Kasimir-Kirche ist der erste Vertreter des Baustils des Barock

mit dem barocken Hauptaltar

Unter den verschiedenen orthodoxen Kirchen in Vinius

ist die orthodoxe Heiliggeist-Kirche aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts das wichtigste Gotteshaus der Orthodoxen. Im Unterschied zu anderen orthodoxen Kirchen gibt es in ihr eine Fülle an Plastiken und Skulpturen aus Stuck.
An der ehemaligen heiligen Stätte des Perkūnas, einem Gott der baltischen Stämme, wurde die Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus erbaut.

Der frei stehende Glockenturm war ursprünglich ein runder Verteidigungsturm aus dem 14. Jahrhundert, die Schießscharten sind heute noch sichtbar.
Aufgrund seines Alters und des weichen Untergrunds steht der Turm mittlerweile leicht schief.

So viele Kirchen machen hungrig. In dem malerischen Restaurant

 

sind diesmal die Zeppelins, riesige, mit Reh- oder Schweinehack gefüllte Kartoffelklöße, dran. Extrem lecker!
Frisch gestärkt bewundern wir die von Künstlern aus aller Welt gestaltete Straße.

Und sogar Frank Zappa darf nicht fehlen.
Wegen seiner jüdischen Wurzeln wurde hier 1995 ein Denkmals für ihn errichtet.