Von Nida auf der Kurischen Nehrung brausen wir zurück, brauchen nur eine Minute warten und schon sind wir auf der Fähre, die uns flugs wieder am Festland absetzt.
An der Küste entlang geht es durch Birkenwald, erinnert ein wenig an Taiga, und kleine Dörfer

bis zum Kap Kolka.

Uns erwarten idyllische Natur, schöne Kirchen und ein Campground mit zweifelhaften Sanitäranlagen, Plumpsklo, Buschdusche und demolierten Waschbecken..

Dafür haben wir den herrlichen Strand ganz für uns allein.

Auf der Fahrt nach Riga wollten wir nur einmal auf den 30 Kilometer langen Sandstrand von Jurmala schauen. Aber fährt man nur von der Hauptstraße Richtung Meer ab, muss man sofort Maut bezahlen. Die Straßen dürfen nur gegen Entgelt benutzt werden. Dann gehen wir eben zu Hause an unseren schönen Strand.
Die wechselvolle Geschichte (polnische, schwedische, russische Besatzung) der im Jahre 1201 gegründeten Hansestadt Riga schlägt sich in ihren prunkvollen Bauten nieder. Und wegen "... der Holzarchitektur aus dem 19. Jahrhundert sowie der weltweit einzigartigen Qualität und Quantität der Jugendstilarchitektur bei relativ intakt gebliebenem historischen Stadtgefüge ..." hat die UNESCO Rigas historisches Zentrum 1997 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Im modernen, aber gemütlichen Elizabete Hotel am Rande von Rigas Altstadt

passt unser Auto sogar in die Tiefgarage und die Fahrräder kommen Mal wieder in den Gepäckraum.
Vom Hotel schlendern wir an der orthodoxen Kirche mit ihren vergoldeten Kuppeln

vorbei bis zum Freiheitsdenkmal.

Wegen seines 'künstlerischen Werts' wurde das Denkmal zu Sowjetzeiten nicht entfernt.

Das Lenindenkmal am anderen Ende des Boulevards wurde jedoch als Symbol der sowjetischen Besatzung in den 1990iger Jahren abgebaut. 

Das im 2. Weltkrieg völlig zerstörte Schwarzhäupterhaus wurde von 1993–1999 originalgetreu rekonstruiert und sieht nun wieder richtig schick alt aus.

Der Amtssitz des lettischen Präsidenten ist das 1330 als Festung des Schwertbrüderordens errichtete Rigaer Schloss.
Nach der täglich um 12:00 Uhr stattfindenden Wachablösung

verschwinden die Gardisten still und leise wieder im Gebäude, die beiden Schilderhäser bleiben leer.

Der Rigaer Dom ist sehr beeindruckend.

Wir würden auch gern einen Blick auf die zu ihrer Einweihung 1884 größte Orgel der Welt mit ihren 6718 Pfeifen, 124 Registern und 4 Manualen werfen.

Leider darf man den Dom nicht mehr ohne Gebühr betreten und sich versetzt öffnende Milchglastüren verhindern auch nur den winzigsten Blick hinein, dann eben nicht!

Heute ist Dieters Geburtstag, da darf er sich ein schönes Abendessen mit Wein in einem gemütlichen Restaurant wünschen. Gunars Kirsons Lido,

die moderne Form der 'Stolowaja', wählen wir ab.
Also ab in die Altstadt, wo massenweise Gruppen von Männern, jung und alt, oft auch lautstark, um die Häuser ziehen.

Riga ist das Mekka der Jugend und die steht auf Burger und Pizza. Und dann noch Fußball WM! Überall riesige Bildschirme und lautes Gebrülle, da kommt ein bißchen Ballermannfeeling auf.
Nach langem Suchen kehren wir verzweifelt in einem Grill Restaurant ein. Zur traditionellen Wurst-Dreiheit gibt es Pommes Schranke. Wenn das kein gelungener Geburtstag ist!

An der Petrikirche ist es genauso wie am Dom: Milchglasscheiben versperren den Blick ins Innere.

Aber von der Aussichtsplattform des 72 Meter hohen Turms bietet sich ein fantastisches Panorama über Riga.

In der Altstadt fallen die vielen, sehr jungen Straßenmusiker auf, oft mit klassischer Musik und immer sehr gut angezogen. Wahrscheinlich sind es Schüler der berühmten Rigaer Musikakademie Jāzeps Vītols. Es ist eine Freude ihnen zuzuhören.

Die Stadtbefestigungsanlagen und Wälle der Stadt wurde zwischen 1857 und 1863 zwar geschliffen, aber die entstandenen Freiflächen wurden zu einem Stadtpark mit Stadtkanal umgestaltet.

Von der ehemaligen Stadtmauer existiert nur noch ein kleiner Überrest.

Auch Radfahrer müssen Mal auf's Klo.

Gleich neben unserem Hotel beginnt der Rundgang vorbei an den Häusern mit den Jugendstilfassaden

Weitere Fotos der Jugenstilhäuser gibt es hier.

Und wir finden sogar noch ein paar ruhige und schöne Ecken in

der Nähe des Schwedentores.

Wir landen endlich in einem gut versteckten Restaurant mit wohlschmeckenden lokalen Gerichten.

Abends werden wir noch Zeuge des internationalen Folklore Festivals.

Am nächsten Morgen versorgen wir uns mit Wegzehrung bei Pelmeni XL, zwei Piroggen, Smetana und natürlich noch jede der sechs Sorten Pelmeni. 

Auf dem riesengroßen Markt nehmen wir mit einem Einkauf an frischem Brot, Obst und Gemüse Abschied von Riga.

Dieter möchte unbedingt seine Füße im Peipussee baden und so fahren wir nicht die Küste über Saulkrasti und Pärnu nach Tallin, sondern nehmen die Inlandroute über Wolmar und Tartu. Somit lassen wir die westlichen estländischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa links liegen.
Die Staatsgrenze zwischen Lettland und Estland verläuft mitten durch die Stadt Valka. Eine kleine dörfliche Straße und das nächste Haus steht bereits im estländischen Valga.

Huch, wir sind schon drüben.