Der Flughafen Berlin Schönefeld ist völlig überlastet, viel zu eng, keine Sitzgelegenheiten. Wir ergattern einen Platz beim Marchè und bleiben dort die 2,5 Stunden bis zum Boarding sitzen.
In Reykjavik ist es bedeckt bei 8°C, aber über Grönland reißt die Wolkendecke auf und wir sehen die Gletscher kalben.
Die isländische BilligAir WOW hat sich zwar neue Airbusse geleistet, aber nur mit Grundausstattung, einfache Sitze, keine Bildschirme, nicht einmal für die Fluginfo, erinnert ein bißchen an Holzklasse. Bei 300 EUR für den Flug von Berlin nach San Francisco kann man auch keine kostenfreie Versorgung an Bord erwarten. Wir sind prepared und haben unser Stullenpaket dabei.
San Francisco überrascht uns mit strahlend blauem Himmel bei 39°C. Beim Anflug haben wir super Sicht auf die Bay und natürlich die Golden Gate Bridge.



Die Einreiseformalitäten gestalten sich besonders langwierig. Bei Fritzi dachten wir noch, sie hat irgendetwas nicht korrekt ausgeführt, aber als Dieter dann nach dem dritten Mal Fingerprints und Foto immer noch nicht einreisen darf, meint die Angestellte endlich, dass es Probleme mit der Software gäbe. Um sich die Zeit zu vertreiben blättert sie in unseren Pässen und gerät fast in Ekstase als sie den Stempel von One Foot Island entdeckt. Dort wäre sie gerade gewesen und es sei so 'cute'. Nach dem vierten Mal klappt es endlich auch bei Dieter, aber seine Hoffnung auf auch vier Einreisestempel zerplatzt wie eine Seifenblase.
Unsere Autovermietung EuropCar ist auf dem Flughafen nicht vorhanden. Mit Hilfe eines äußerst netten Passanten, der unser hilfloses Herumirren bemerkt, sein Mobilfon zückt und die auf unserem Voucher vermerkte Telefon Nummer anruft, erfahren wir, dass 'Advantage' der Supporter für EuropCar ist. Nach fast 40 Minuten Wartezeit erscheint ein Shuttle und bringt uns weit, weit weg vom Flughafen zu einem winzigen Hof, auf dem vier Autos stehen. Irgendwann haben wir dann einen KIA OPTIMA und sind um 21:00 Uhr endlich im Motel. Nach knapp 40 Stunden auf den Beinen kuscheln wir uns nur noch ins Bett. Natürlich sind wir um 5:00 Uhr wach, aber Safeway hat 24/7 geöffnet. So können wir bereits um 6:30 Uhr mit Coffee von Starbacks frühstücken.
Ein Abstecher zu dem Anbaugebiet der berühmten kalifornischen Weine in den Tälern nördlich von San Francisco ist diesmal ein 'must see'. Über imposante Brücken geht es zum Sonoma Valley. Das soll nicht ganz so überlaufen sein wie das Nappa Valley. Uns erscheint es jedoch ziemlich voll. In Glen Ellen finden wir ein liebevoll eingerichtetes kleines Hotel, das Gaige House, wo wir statt $265 nur $145 die Nacht bezahlen, 'last minute' meint Empfangsdame Ruth.



Sie ist begeistert, Gäste aus Rostock hatte sie noch nie! Sie fährt regelmäßig nach Europa, hat sogar schon die schöne Hansestadt Rostock besucht und zeigt uns euphorisch die entsprechenden Souvenirs.



Unser Zimmer ist mit Kamin und privater Terrasse ausgestattet. Es gibt sogar frisch zubereitetes Frühstück. Dass das Rührei mit Spinat und Käse aus dem Tiefkühler komm, ist in Amerika nicht ungewöhnlich. Den ganzen Tag stehen allerdings wirklich frisch gebackene Küchlein, gekühlte Getränke und sogar Wein zur Selbstbedienung bereit. Um 17:00 Uhr wird im Salon des Hauses Wein verkostet. Wechselnde Winerien präsentieren eine Auswahl ihre Weine mit lokalen Käsesorten und Crackern, sehr lecker.
Nach dem Besuch des Jack London Memorial State Park (hier geht es nur um sein soziales Engagement, nicht um seinen Lebenswandel) wissen wir, dass Jack London bereits ein Öko-Bauer mit vielen Ideen zur nachhaltigen Landwirtschaft war.



Die Winerien bieten keine Übernachtungen an, nur Touren, die so überteuert sind, dass damit wohl mittlerweile mehr Geld verdient wird als mit Wein.
Es ist so unanständig heiß, dass wir die drei Kilometer dorthin mit dem Auto fahren.




Zum Abendessen gibt es in einem Öko-Restaurant statt Fritten Topinambur. Über Nacht fallen die Temperaturen auf ‘normale‘ 12°C. Gut, dass wir bereits Pullover eingekauft haben.

Die Redwoods im Armstrong Redwoods Statepark sind schön, aber bei weitem nicht so wie die in Crescent City.
Maut an der Golden Gate Bridge geht nicht mehr mit Barzahlung. Wir buchen per Internet und dürfen ohne Strafe über die Brücke.

Danach geht es durch die Divisadero Street mit 30% Gefälle und an jeder Kreuzung Stopp, Stress pur.
An den Twin Peeks herrscht hellste Aufregung. Eine Diebesgruppe hat auf dem Nebenparkplatz in fünf Minuten zwei Autos geknackt, fast vor unseren Augen. So haben wir unser Auto glattweg vor die Toilette gestellt, denn da ist immer jemand, und genießen nur kurz das Panorama.



Nach einer halben Stunde Fußmarsch bergauf und -ab erreichen wir den Golden Gate Park zum Hardly Strictly Bluegrass Festival, von Kennern HSB genannt. Volksmusik ist zwar nicht unser ureigenes Interesse, aber wenigstens ein Mal wollen wir dabei sein. Auf den sechs Bühnen wird Musik verschiedenster Richtungen, nicht ausschließlich nur Bluegrass, gespielt. Da die Pausen zeitgleich sind, muss man sich auf dem Weg zu einer anderen Bühne durch die Massen schieben. Es scheinen ganz San Francisco und Oakland anwesend zu sein, vom Säugling bis zum Woodstock Überlebenden.




Abends waren die Plätze vor den Bühnen mit Decken und Planen vollständig ausgelegt. Das Festival soll Smog- und Alkoholfrei sein, so wurde von etlichen Moderatoren betont: bitte keine Zigaretten. Na, da braucht sich keiner Sorgen zu machen, hier wird nur grünes Kraut aus Dope Pfeifen geraucht.



Alkohol ist kistenweise dabei, selbst illegale Bierverkäufer gibt es in rauen Mengen. Wir bleiben bei sonnigen 20°C bei Smoothie und Wasser.



Bei den gestandenen Musikern hoffen wir auf junge spritzige Begleitbands. Leider stehen die alten Männer wie Steve Earl oder Kris Kristofferson allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne. Manchmal ist sogar eine zweite Gitarre dabei. Für so ein riesiges Festival finden wir das trotzdem etwas dünn.



Rosanne Cash ist da schon etwas besser.



Und Emmylou Harris ist Klasse, als sie jedoch ein Klagelied auf die Tiere im Tierheim anstimmt und fast in Tränen ausbricht, gehen wir. Wir finden diese Demonstration angesichts der Unmengen von Obdachlosen, die den Park bevölkern, unangemessen.



So richtig geht die Post bei Shannon And The Clams



sowie Cindy Lauper ab. Bei 'Girls wanna have fun' wird natürlich lautstark mitgegrölt. Da fühlt man sich gleich 30 Jahre jünger.
Leider sind Musikveranstaltungen bei den Amis nur der Anlass, um sich die Kante zu geben. Wenn man hinter einer Gruppe völlig zugedröhnter Leute steht, ist der Musikgenuss nur noch halb.
Zu der winzigen Wagon Stage dagegen kommt nur eingefleischtes Publikum. Da macht es richtig Spaß.



Und ganz ohne Enttäuschung geht es dann doch nicht: im linup war noch 10 Tage vor Beginn des Festivals 'Wyonna & The Big Noise' mit Susan Tedeschi angekündigt. Ohne Angabe von Gründen ist Susan Tedeschi aus dem Rennen und Wyonna steht nur mit ihrer Band auf der Bühne. Obwohl das Konzert toll ist, sind wir ein bißchen traurig. Bei Jackson Browne sind nur noch die hinteren Plätze zu haben und als die Lautsprecher ausfallen, hören wir fast nichts mehr, schade.

Wir fahren den 49 Meilen Scenic Drive, natürlich gegen den Uhrzeigersinn, denn ausschließlich so stehen die wenigen Schilder. Und auch nur mit Beifahrer und Stadtplan ist es möglich die Route zu finden.

 

Fishermans Warf erkennen wir nicht wieder. Wo wir vor 20 Jahren gemütlich den Seelöwen zugeschaut haben, herrscht nun dichtes Gedränge, Shop neben Shop, unzählige Restaurants und die Straßenmusikanten sind es wohl nur noch dem Namen nach.
Obwohl es langsam Herbst wird, bekommt man im Hotel nur ein Laken als Zudecke. Nun ist Dieter froh, dass wir unsere riesige Kuscheldecke doch im Koffer haben.
Endlich können wir unser schrabbliges Auto abgeben und haben irgendwie auch genug von vielspurigen Autobahnen, vollen Straßen, Menschenmassen sowie Urbanisation.
Nun freuen wir uns auf Down Under.

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