Wir fahren noch einmal durch die Short Grass Prairie und machen einen extra Umweg zu den Cascade Falls. Großes Wellcome-Schild und darunter ausschließlich Verbote und Wahrnungen.

 

Dann ist auch noch geschlossen! Wir gehen trotzdem rein. Naja, als Wasserfall kann man das wohl kaum bezeichnen, höchstens eine Stromschnelle.

Weiter 200 Meilen südlich bis nach Fort Collins. Es sind zwar rechts und links der Straße nur Zäune, heisst Ranches, aber die Wildtiere stört das nicht. Wenn man im Gras so einen schönen weißen Hintern leuchten sieht, dann ist die Pronghornherde (Gabelbock) nicht weit. Sie laufen sogar direkt zwischen den Kühen herum.

  

In Fort Collins ist es übervoll, laut, stinkt, nur 'stop and go', und wir finden kein Hotel abseits der Autobahn, somit fahren wir weiter Richtung Rocky Mountain NP. Mit dem Palisade Motel im Big Thompson Canyon haben wir eine etwas andere Unterkunft, die mehr einer klammen Berghütte als einem Motel gleicht. Wir lassen keine Lebensmittel im Auto, da ein Schwarzbär jede Nacht inspizieren kommt. Er liebt die Äpfel am Baum vor unserem Fenster. Schade, diese Nacht kommt der Bär nicht.

 

Wir würden gern im Rocky Mountain NP ein wenig herumwandern. Es sind max. 12°C mit eisigem Wind und Regen. Je höher wir fahren, desto weiter fallen die Temperaturen, bis auf 5°C. In den Rocky's ist es wie in den Balck Hills, nur es sind nicht ganz so viel Nadelbäume zerstört, dafür schleichen umso mehr Opas mit Hut in ihren riesigen Autos die einzige Straße entlang. Es ist völlige Nebensaison und wir fahren stets im Pulk, vor uns 10 Autos, hinter uns 10 Autos.

Wir wollen dem Regen und den Massen entkommen und beschließen große Planänderung, über die Rocky's gen Westen. Je weiter wir nach Westen vordringen, desto schöner die Landschaft, Canyons mit roten Felsen (aaah, endlich rote Felsen) und Mischwald im Indian Summer geschmückt. Wir fahren im Byers und im Glenwood Canyon direkt am Colorado River entlang, sehr spektakulär mit wunderschöner Natur, nicht so eintönig wie in den hohen Bergen. Auch hier ist der Colorado bereits ein wilder Spaß River, wir beobachten Wildwasserkanuten und Raftingfahrer.

Unser 'Zimmer' im Rocky Mountain Inn in Paonia ist eine kleine Ferienwohnung mit vollständiger Küche und Essbereich sowie grüner Oase mit Springbrunnen und Sitzgruppen. Die Gegend nennt sich „Obstgarten von Colorado“. In dieses Tal hat soll sich vor Millionen von Jahren Vulkanlava ergossen und einen Streifen sehr fruchtbarer Erde hinterlassen haben. Es gibt unzählige Obst- und Gemüseplantagen, Weinberge, aber auch Kohleminen. Es ist wunderschön und aus dem Zwischenstopp werden drei Tage.

Als deutsche Touristen sind wir in Paonia fast Exoten. Wir bekommen von netten Leuten jede Menge Hinweise 'what to do'. Wir fahren über 30 Meilen unbefestigte Bergstraße bis Crested Butte, ein sehr pittoreskes Dorf.

 

Der Aspenwald ist wunderschön, selbst Berufsfotographen und auch ein Maler werden von dem Glühen des Laubes im Indian Summer angelockt.

 

Wir besuchen drei Winzereien, natürlich mit Weinverkostung. Es gibt Riesling, Chardonnay, Rose hier Blush, Traminer, Merlot, Pinot Noir und Birnenwein. Alle schmecken sehr gut, sind jedoch wesentlich kräftiger als unsere Weine, das soll an dem Lavaboden liegen. Für die fünf Flaschen Wein bezahlen wir $100, wird für viele Abende einen guter Schlaftrunk sein. Somit wird die Alkoholverweigerung auf diese Reise kurz unterbrochen. Auf einer Farm pflücken wir dann noch Pfirsiche und Äpfel. Die Pfirsiche sind riesengroß, scheinen jedoch typisch genmanipuliert zu sein: ganz fest, wenig Saft. Kein Vergleich mit den bulgarischen Pfirsichen aus Varna (das waren noch Zeiten, mit Pfirsichen frisch vom Markt in den Flieger).

Am Nachmittag genießen wir das erste Glas Wein in dem liebevoll gestalteten grünen Hof unseres Inn's. Zum Abendbrot braten wir uns Eier, die Küche muss doch wenigstens ein Mal genutzt werden.

Dann geht's auf zum Black Canyon 'one of the longest, narrowest, and deepest gorges in the world'. Der Campground im NP ist wunderschön und wir fast allein in der Natur. Es ist wirklich imposant 600 bis 800 m fast senkrecht in den Canyon des Gunnison River zu schauen, die Wände erscheinen wegen des fehlenden Lichtes schwarz. Es kostet Überwindung bis an den Rand zu gehen, natürlich nur Dieter. Dafür hat er dann grandiose Einblicke in den Canyon. Leider können unsere Fotos diese gewaltigen Schluchten nicht annähern so eindrucksvoll abbilden.

 

Wir brechen völlig entspannt Richtung Mesa Verde auf. Nach dem Desaster der Ankunft haben wir für die letzten drei Nächte bereits in Denver gebucht. Bis dahin bleiben uns aber noch NEUN Tage, was tun so lange? Also auf Hälfte der Strecke ganz große Planänderung: auf nach Utah. Und ich erinnere mich, dass es bei der Planung der Bike Tour am schwierigsten war, in Moab überhaupt eine Unterkunft, geschweige denn eine bezahlbare zu bekommen. Wir wagen es trotzdem. Wir fahren über die La Sal Mountains und sind auf dem Highway fast allein. Auf 30 Meilen begegnen uns nur neun Fahrzeuge. Dann kommt es, wie erwartet, also keine Enttäuschung!, ausschließlich NO Vacancy. Wie durch ein Wunder entdecken wir ein kleines Inn, bei dem noch EIN Zimmer frei ist, natürlich gleich für vier Tage gebucht.

 

Auf den Tag genau vor zwei Jahren waren wir auf der Bike Tour ebenfalls in Moab. Unsere Spuren haben wir im roten Sand leider nicht mehr gefunden. Wir grüßen den Flötenspieler und stoßen etwas wehmütig auf die Labello-Rocker an. Und ich glaube Dieter denkt schon Mal an Kalifornien . . .