Am Morgen war Reif auf den Autos, und Wetterbericht sagt weiterhin Bodenfrost voraus. Damit ist Zeltplatz hier in Mainland gestrichen. Das bedauern wir sehr, denn die Zeltplätze in den National Parks sind meist klein und wunderschön gelegen. Wir starten bei 5°C zum Mesa Verde NP. Am Park Point Overlook sind es nur noch 1°C, die Bank zum Genießen des Rundblickes ist zugereift. Es ist sehr klar und sonnig. So hat man einen tollen Blick über die schneebedeckten Gipfel rund herum.

 

Wir nehmen kein Ticket am Visitor Center mit Führung und Time Slot. Die Wetherill Mesa Road ist bereits gesperrt, wir fahren Richtung Museum und besuchen das Spruce Tree House. Es ist ein ständiger Besucherstrom vorhanden, jedoch wird es nie so voll wie bei den geführten Touren am Cliff Palace oder Balcony House. Man kann bleiben, so lange man möchte. Es gibt Bänke und man kann in Ruhe die 'Häuser' auf sich wirken lassen. Es sind drei Ranger dort, die bereitwillig jede Frage beantworten.

Bei der Tarantel müssen wir natürlich warten, bis sie sich etwas fotogener in die Sonne begibt.

Das Museum informiert ausgesprochen gut über die verschiedenen Entwicklungen der Pueblo-Kultur. In der Region der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, Colorado, New Mexico und Utah lebten die präkolumbianischen Sinagua-Indianer, die Mogollon (seßhafte Ackerbauern), die Anazasi (ursprünglich nomadische Basketmaker) und die Hohokam (mit ausgeklügeltem Bewässerungssystem), deren Kultur ab dem ausgehenden im 12. Jahrhundert verschwand. Die Cliff Dwellings der Sinagua-Indianer haben wir im Montezuma Castle National Monument in Arizona bereits besichtigt. Allerdings darf man hier nicht in die Häuser hinein gehen. Es liegt in einem schönen Canyon, ist nicht so bekannt wie Mesa Verde und deshalb auch nicht überlaufen. Es ist nicht ganz geklärt, warum diese Kulturen gleichzeitig verschwanden. Jedoch gehen Wissenschaftler weitestgehend von einer Dürre aus. Ab 1150 setzte eine anhaltende Dürre ein, die etwa 1270 ihren Höhepunkt erreichte. Bis dahin fruchtbare Gebiete in den heutigen Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Utah und Colorado wurden zu Wüsten oder Trockensteppen. Dies führte zu einer Völkerwanderung und die hier Ansässigen mussten ihre Heimat verlassen. Die Anazasi zogen zum Rio Grande, in die Sierra Madre del Norte und auf die Black Mesa. Die Anazasi der Black Mesa sind die Vorfahren der Hopi und die Angehörigen des Stammes der Pima sind vermutlich die letzten Nachfahren der Hohokam.

Unterwegs noch ein wenig Wildlife, wilde Truthähne und Deer oder Hirsch? Die Hirsche sind Wapitis. Sie sind größer als unsere europäischen Hirsche und heißen 'Elk'. Dann gibt es noch die Mule Deers (Maultierhirsch) und White Tailed Deer (Weißwedel-hirsch), die eng miteinander verwandt sind und für Laien wie uns nicht einfach zu unterscheiden sind. Der Weißwedelhirsch ist als Kulturfolger häufig in Menschennähe zu finden, so in Campingplätzen oder gar Städten. Namengebend ist der Schwanz, der oberseits zwar braun ist, unterseits aber weiß. Wir sind jedoch nie nah genug heran gekommen, um unter den Schwanz zu schauen. Maultierhirsche leben vorwiegend in Gebieten in und um die Rocky Mountains herum. Der Name leitet sich von den großen Ohren ab, welche allerdings auch die Weißwedelhirsche zieren.

Mesa Verde ist ein dicht bewaldeter und zerklüfteter Tafelberg, der sich von der umliegenden Landschaft des südwestlichen Colorado um mehr als 600 Meter abhebt und damit an seinen höchsten Punkten eine Höhe von fast 2600 Metern erreicht. Uns erstaunen die riesigen Flächen verbrannter Wälder im Mesa Verde NP. Die Wälder sollen sich von den Buschfeuern jedoch immer wieder erholen.

Mittlerweile ist es Nachmittag, wir fahren den Mesa Top Loop und den Cliff Palace Loop. Da die Dwellings nach Westen ausgerichtet sind, steht die Sonne ideal. Wir halten an jedem Outlook und genießen noch einmal den Blick auf die verschiedenen Wohnhäuser.

Auf dem Weg nach Alamosa, wo wir zwei Tage bleiben, stoppen wir am Anasazi Heritage Center in Dolores. Nicht nur das Museum sondern auch die Ausstellung über die hier lebenden Pumas sind sehenswert. In Alamosa selbst entdecken wir nichts Sehenswertes.


Da wir uns immer noch nicht an die morgendliche Kälte gewöhnt haben, fahren wir erst gegen 10:00 Uhr zu dem Great Sand Dune NP. Nach einem schönen Stück Sandpiste, fast wie im Monument Valley, schauen wir am Sand Pit nur mal kurz in die Dünen.

Davor liegt breitgefächert ein Bach, das Wasser ist jedoch nicht kalt.

In den Dünen ist es dann wirklich toll und aus dem „nur mal ein Stück reingehen“ werden drei Stunden. Wir erklimmen sogar die höchste Düne von 230 m.

Es ist nicht besonders warm und es weht ein kalter Wind. Aber dort, wo die Sonne senkrecht auf den Sand fällt, ist es bereits zu heiß um entspannt gehen zu können.

Der Sand ist irgendwie unangenehm. Meine Fußsohlen brennen, als wenn sie leicht aufgescheuert sind, Blasen haben wir dann auch noch. Ganz merkwürdig, Sand laufen sind wir ja nun wirklich gewöhnt. Aber am Strand hatte ich noch nie aufgescheuerte Füße oder gar Blasen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Sand nicht so trocken ist wie unser Sandstrand. Selbst am höchsten Punkt der Dünen ist der Sand ein paar Zentimeter unter der Oberfläche feucht. Der Bach ist auf dem Rückweg die reine Wohltat für die strapazierten Füße.


Gut ausgeruht machen wir uns auf den Weg nach Denver. Im Ramade teilt man uns mit, dass der Waschsalon geschlossen ist. Mist, genau deshalb haben wir dieses Hotel gebucht. Per Hand waschen ist zwar nicht schlimm, aber ohne Schleuder müssen sämtliche Handtücher unseres Zimmers zum Auswringen herhalten.

Der Art District von Denver ist wunderschön, allerdings sind hier, wie überall auf der Welt, montags die Museen geschlossen. Und heute ist leider Montag.

Also bummeln wir durch den reizenden Civic Center Park, Frankreich lässt grüßen. Wir besuchen das umwerfende, schöner als manches Museum, für die Öffentlichkeit ohne Ruhetag zugängliche State Capitol.

Man muß nur durch eine Kontrolle und darf das Messer ohne Theater ganz easy abgeben und beim Gehen wieder abholen. Zum Dom kommt man nur mit Führung. Wir sind 12 Männeken und begeistern uns an der fantastischen Sicht auf Denver und die Rocky Mountains. Und alles kostenlos!

Anschließend machen wir noch einen Abstecher in die zwei Meilen lange Mall und fahren mit dem kostenlosen Shuttle die Mall rauf und runter.
Abends gehen wir zum Yard House mit 130 Sorten Bier vom Faß.

Das Essen ist super, leicht karibischer Einschlag, mal keine Burger. Es ist ziemlich laut, denn es läuft auf mehr als 20 Bildschirmen ein Footballspiel, was natürlich lautstark an den Tischen kommentiert wird. Und Dieter, unsere Sportskanone, versucht mir die amerikanischen Sportarten zu erklären. Naja, versucht.

Dieter: "Dafür probiere ich aber fünf von den Biersorten, alle haben keine Blume und schmecken trotzdem super. Auch die Temperatur ist ok und keine Eiswürfel drauf!"

Down Town Denver ist schöner als wir erwarteten. Nur leider haben wir noch nie so viele Obdachlose gesehen. Mittags wundern wir uns über die korrekte Schlange von Obdachlosen am Park. Es kommen Leute mit Kisten voller Wasser und Lebensmittel, offensichtlich beginnt die Verteilung der Rationen. Abends durch Straßen zu gehen ist nicht gefährlich (jedenfalls haben wir es nicht so empfunden) aber sehr bedrückend.

Am letzten Abend hören und sehen wir im Jazz@jack's schönen Bluesrock, leicht jazzig. Als Spezial Gast kam dann Mikail aus St. Petersburg mit original russischem Blues. Er sagt auf russisch, dass ihn wohl niemand verstehen kann. Na, da kamen Proteste!