Bevor wir auf die große Reise gingen, wollte Erik noch nicht allein laufen. Als wir fort waren, stapfte er jedoch mit seinen kleinen Beinchen los. Ob er uns wohl hinterher kommen wollte?

Leider können wir nun mit den 12 Stunden Zeitunterschied Erik nicht mal mehr per Skype zuwinken, denn wenn wir um 6:15 aufstehen, liegt er bereits im Bett. Hoffentlich vergißt er seine Großeltern nicht ganz!


Kaua'i ist die älteste Hawai'i Inseln und eines der regenreichsten Gebiete der Erde. Wegen der besonders üppigen Vegatation wird Kaua'i auch die Garteninseln genannt. Bei unserer Ankunft sind hier ebenfalls 30°C, aber hohe Luftfeuchtigkeit, da fühlt es sich noch einmal so warm an und wir sind froh, dass unser Auto mit AC ausgestattet ist.


Wir fahren Richtung Norden und brauchen natürlich viel länger als geplant. Denn auch vor Kaua'i hat die Bevölkerungsexplosion keinen Stopp gemacht, volle Straßen, viele neue Geschäfte und 1.000e von Touristen. In Princeville versorgen wir uns mit Butter, Brot, Honig, Käse, Wurst und Früchten. Der Honig von Kauai schmeckt sehr lecker, besser als der Kleehonig vom Mainland. Wir schauen noch zum Ke'e Beach Park mit dem schönen gelben Sand bevor uns der Hunger in die Unterkunft führt. Die Wellen haben hier schon jede Menge Sand weggespült, so daß viele Bäume aussehen als würden sie in der Luft stehen.

Unsere Unterkunft könnte so schön sein. Es riecht gut und die Wäsche ist wirklich sauber. Leider schließt die Fliegentür nicht und die Wandverschalung besteht aus grob aneinander gefügte Platten mit ca. 1,5 cm großen Lücken. Etwas Spachtelmasse und auch ein wenig Farbe würden den Wänden sehr gut stehen. Unser Bad ist separat gegenüber, jedoch nicht so schön wie 2012 auf der Kaffee Plantage.

Es ist bewölkt und so dallern wir unterm Vordach rum, checken mails und schneiden Dieters Bart, wurde aber auch Zeit. Nun sieht Dieter nicht mehr wie so ein uralt Zottelopa aus. Wir suchen die schönen hellen Strände nach Schnorchelmöglichkeiten ab, beach access ist jedoch nicht einfach zu finden. Wir lassen uns nicht entmutigen und entdecken endlich einen Zugang zum Tunnel Beach.

Viele Strände auf Kaua'i sind feinsandig, gelb und relativ lang. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit lässt einen eher an Seychellen denken als an Hawai'i. Leider ist hier die Brandung sehr stark, ist ja weltweit anerkanntes Surfgebiet, und somit der Sand ziemlich aufgewühlt.

Da hat man keine gute Sicht zum Schnorcheln. Außerdem wird man durch die Dünung ständig hin und her geschleudert, so dass Schnorcheln nicht wirklich Spaß macht. Aber man hat nach dem Schnorcheln so ein sportliches Gefühl. Wegen der Strömung muss man richtig gegenan schwimmen, man kann sich nicht auf das Wasser legen und einfach nur treiben lassen.

Dieter wagt noch eine zweistündige Wanderung auf dem leichten Beginn des Napali Trails. Aber schon hier muß man direkt an den Klippen entlang laufen, also nichts für Leute mit Höhenangst. Der Trail wird dann zu einem der schwierigsten Wanderwege überhaupt und sollte im Ganzen nur von sehr geübten Wanderern mit ausgezeichneter Kondition begangen werden. Man braucht zwei Tage hin und zurück und sollte noch besser drei Tage einplanen. Und natürlich gibt es weder Versorgung noch Unterkünfte.

Auf dem Weg zurück in den Süden halten wir am Scenic Point ins Hanelei Valley. Hier war vor 12 Jahren wegen Überflutung Schluß, wir kamen nicht weiter. Den nächsten Stopp legen wir am Leuchtturm mit dem Kilauea Point National Wildlife Refuge, dem Reservat für Fregattvögel, Sturmtaucher und Tölpel, ein. Wir beobachten die eleganten Flieger eine ganze Weile.

Und dann kommen bettelnde Nenes. Natürlich ist es die Attraktion, endlich mal so einen Vogel vor die Linse zu bekommen. Denn die Nene ist endemisch, kommt nur auf Big Island, Maui, Moloka'i und Kaua'i vor und ist das Wappentier von Hawai'i. Auf Maui haben wir nur ihre 'Hinterlassenschaften' gefunden.

In Koloa stoppen wir erneut. Aus dem kleinen verschlafenen Örtchen ist ein Touriparadies geworden. In Koloa wurde 1835 die erste Zuckermühle in Betrieb genommen und setzte den Startschuss zur kommerziellen Zuckerproduktion auf Hawai'i. Zur 150 Jahrfeier der Zuckerindustrie wurde 1985 das Old Sugar Mill Monument von Jan Gordon Fisher, der auch die berühmte Statue vom Serfer Duke in Waikiki schuf, errichtet. Ursprünglich waren es acht lebensgroße Figuren, die die ethnischen Gruppen der Plantagenarbeiter darstellen. Die ersten Plantagenarbeiter waren eingeborene Hawaiianer. Als die jedoch durch eingeschleppte Krankheiten drastisch reduziert wurden, mußten Arbeiter aus anderen Ländern angeworben werden: aus Puerto Rico, China, Korea, Japan, Madeira und zum Schluß von den Philippinen, insgesamt mehr als 300.000 Immigranten. Der weiße europäische Aufseher sollte auf einem Pferd sitzend dargestellt werden. Er mußte jedoch wegen heftiger Kritiken fortgelassen werde. Somit ist nun eine Lücke zwischen dem Hawai'ianer und dem Puerto Ricaner geblieben.

Am  Spouting Horn sind wir enttäuscht. Dort wo wir vor 12 Jahren gestanden haben, ist nun abgesperrt und der kleine Schotterplatz zu einem riesigen Parkplatz mit mehreren Busplätzen ausgebaut. Das kleine Wäldchen neben dem Horn ist verschwunden, dafür Verkaufsstände, Verkaufsstände, Verkaufsstände.

Die gesamte Schotterstraße ist nun sehr breit und über mehrere Kilometer an der Küste entlang vom Spouting Horn bis über den Poipu Beach hinaus ausgebaut.  Der Strand von Poipu Beach ist zwar noch schön, jedoch völlig zugebaut mit Hotels, Resorts, Condos und natürlich darf der Golfplatz nicht fehlen. Aber die schlafende Robbe wartet offensichtlich schon auf uns.

Wir stoppen an einem schönen Farmers Market und decken uns noch einmal so richtig mit Früchten ein.

 

In unserem nächsten Quartier geht es sehr großzügig zu. Unser Zimmer ist sauber, wir dürfen Pool, Waschmaschine, Trockner und auch Wäscheleine benutzen. Nach kurzer Betrachtung bleibt es bei der Waschmaschine.

Es gibt dutzende von Gartenzwergen und jede Menge anderer Figuren und skuriler "Instalationen" wie Jimmy und Cher als Serfer.


Es trübt sich weiter ein bis zum Dauerniesel. Wir versuchen noch einen Blick in den Weimea Cayon, den Grand Canyon des Pazifik, zu werfen. Leider hängen die Wolken so tief, dass wir im Nebel stehen. So bleibt Zeit zum Lesen, Gitarre üben und Tatort schauen. Denn den gibt es aus Jugendschutzgründen nur von 20:00 bis 6:00 Uhr deutscher Zeit, für uns also nur tagsüber. Unser Herbergsvater und seine Frau sind Musiker. Spontan lädt uns Swamp-Daddy zum Auftritt seiner Band am Abend ein. Wir hören eine ganze Weile lautstarke Auseinandersetzungen unserer Herbergseltern, so dass Swamp Daddy seinen Auftritt und uns wohl vergessen hat, evtl. war auch Alkohol im Spiel?

Die Touristenflut hat den Hawai'i Inseln eine Reihe schöner neuer breiter Straßen beschert. Leider sind sämtliche Straßen auch bis zur kleinsten 'Sehenswürdigkeit' busfähig ausgebaut mit riesigen Parklätzen und Busschleifen. Sogar zum Vaipio Valley und zum Waimea Canyon führen nun solche Straßen, alles rollatorgerecht, aus dem Bus fallen, knipsen und zum nächsten Parkplatz. Hier sind die Rücksicht auf Gehbehinderungen wohl nur ein Vorwand für Riesenbusse. Trotzdem bleibt die Natur grandios und die Inseln sind mehr als einen Besuch wert. Wer es nie anders erlebt hat, fühlt sich immer wie noch im Paradis.

Damit ist unsere schöne Zeit in den USA nun vorbei. Leider haben wir den schönen Singsang immer noch nicht drauf. Hier wird sich erst einmal mit gegenseitigem 'how are you' angesungen und dann erst geht es weiter. Es regt sich auch niemand auf, wenn das Angesinge etwas länger dauert und die Schlange, z.B. an der Kasse, länger wird. Freundlich und nett, auch wenn nur oberflächlich, ist doch schöner als unfreundliches Gebrumme. Immer hilfsbereit und man wird oft angesprochen, 'Habt ihr schon dies oder das gesehen? Wir können euch dieses oder jenes empfehlen'. Als echte Mecklenburger haben wir den richtigen Smalltalk jedoch noch nicht gelernt, unsere Antworten sind viel zu kurz und zu direkt, viel zu wenig Füllwörter, keine Ausschmückungen.