Der Inlandflug nach Aitutaki erfolgt ohne Sicherheitskontrolle. Wer soll auch schon eine Maschine mit 25 Leuten entführen und dann wohin? Weit und breit kein anderes Land in Sicht, wenn überhaupt Land. In den ganz zarten Schleierwolken kann man beim darüber Fliegen einen Regenbogenhalbkreis sehen, sieht toll aus.

Schon beim Anflug bekommen wir wundervolle Blicke auf Aitutaki und die Lagune mit den kleinen Inseln (Motos).

Unser Reef Motel hat 12 Zimmer und wir sind die einzigen Gäste.


Es ist etwas abgelegen an der Maina Wharf, deshalb benötigen wir sofort einen fahrbaren Untersatz. Pira, die Verwalterin der Anlage, fährt Dieter zur Vermietung. Das Büro ist bereits geschlossen. Also bekommt Dieter erst einmal den Scooter, den 'Papierkram' kann er morgen erledigen. Ein Pushbike kostet $10 pro Tag und ein Motorbike $20 pro Tag. Somit ist es keine Frage, ob man lieber schweißtreibend radelt oder entspannt mit dem Moped fährt.
Am gleichen Abend findet das großes Ereignis der Insel statt - eine Hochzeit. Der LKW mit Brautpaar und Brautjungfern, gefolgt von einem Wagen mit 'Trommelband', fährt über die Insel und nimmt die Glückwünsche und Geschenke (Sari oder Geld) der Einwohner entgegen, das Auto quillt förmlich über.

Hier ist es noch ca. 3°C wärmer als auf Rarotaonga und kein Regen. Die Insel ist somit wesentlich trockener als Rarotonga, und auch der Bewuchs nicht ganz so üppig.
Nach dem Frühstück kommt Pira, möchte statt Kaffee lieber heißes Wasser, und wir schwatzen über eine Stunde mit ihr. Dann erkunden wir die Einkaufsmöglichkeiten der Insel, noch weniger Auswahl als auf Rarotonga und alles sehr teuer. Für Landwirtschaft ist der Inselboden nicht gut geeignet, außerdem fehlt Wasser. Es werden vorwiegend Taro, Maniok und Bananen angebaut, die Kokospalmen wachsen von allein.

An der Nordspitze beim Aitutaki Marine Research Center werden die einheimischen Riesenmuscheln (Clams) gezüchtet, um sie in der Lagune wieder auszusetzen. Die Clams sind seit einigen Jahren vom Aussterben bedroht, und man versucht durch gezielte Nachzucht wenigsten einige der Arten zu erhalten.

Beim Schnorcheln sehen wir nur selten welche. Die Korallen in der flachen Lagune sind ebenfalls zum größten Teil tot. Hier haben der Einsatz von Pflanzengiften Erderwärmung, Korallenbleiche, Zyklone und die Dornenkrone Hand in Hand gearbeitet. Aber es scheint neues Leben zu beginnen. In der flachen Lagune ist das Wasser schön warm, wärmer als die Luft, unsere Badewanne lässt grüßen.

Pira zeigt uns die vom letzten großen Zyklon 2010 zerstörte Motelanlage ihrer Eltern mit Restaurant und sechs 'Units' von je 20 qm. Sie würden es wieder aufbauen, aber nach einem Taifun gibt es keine finanzielle Entschädigung. Eine der Wohneinheiten ist jedoch repariert. Dort wohnt Pira mit ihren beiden Kindern Liana und Jerico.

Die Inselstraßen sind recht abenteuerlich, aber unser Moped schafft es.


Auf der Landzunge Richtung Ootu Beach soll man schnorcheln können, es ist jedoch zu flach und wegen der vielen Steine kommt man nicht gut ins Wasser. Der Ootu Beach selbst ist ein schöner Badestrand und man kann sogar auf die Insel Akitua laufen.
Überall sind die riesigen Höhlen der Landkrabben zu sehen. Es ist gerade Saison für die Eiablage, folglich sehen wir jeden Abend etliche zum Meer streben.

Abends kommen Pira und Jerico zu uns zum gemeinsamen Krabben fangen. Es macht Spaß, man muss sich nur vor den großen Scheren in Acht nehmen. Die können ganz schön zwicken. Wir finden aber nur 6 oder 7, die groß genug sind und keine Eier tragen. Die mit Eiern lassen wir laufen, damit es genügend Nachwuchs geben kann. Die Krabben werden noch ca. 10 Tage mit Kokosnussfleisch gemästet, damit sie schön fett werden. Leider war die Behausung bei Pira nicht krabbenfest. Am nächsten Morgen waren alle ausgebüxt.

Nun gibt es Unterweisung in Brotfruchtzubereitung, schmeckt wie mehlige Kartoffeln, etwas trockener. Nach dem Frittieren haben wir sogar wohlschmeckende Kartoffelchips. Man kann Brotfrucht jedoch nicht gut lagern und auch die Hühner mögen sie nur gekocht.

Auf der Insel laufen die Hühner überall herum. Ziegen und Schweine sind mit einem Strick an die Bäume gebunden. Manchmal können sie sich jedoch befreien, laufen auf der Insel herum und fressen zum Leidwesen der Bewohner alles an, was sie finden können.

Am Strand des Tamanu Beach Hotel findet jeden Donnerstag Cook Island Hula und die wirklich gute Feuershow statt. Bei der Fahrt im Dunkeln stellen wir fest, unser Moped hat kein Abblendlicht, also immer Licht aus bei Gegenverkehr. Ist aber kein Problem, wir kennen die Straße schon ganz gut.
Ganz früh zum Markt. Das Angebot ist sehr eingeschränkt, wie nehmen Paw Paw für $1 das Stück und Kokosnuss zum Trinken. Und dann noch zur Scootervermietung und Licht reparieren lassen.

Um die Bilderbuchseite der Inselwelt von Aitutaki zu erleben, muss man einen Ausflug in die Lagune unternehmen. Direkt von der Hauptinsel aus ist die Lagune an vielen Stellen wie Bodden oder Brackwasser und nicht einmal das Baden macht Spaß. Wir buchen die Lagoon Cruise direkt vor unserem Motel. Kurz vor Honeymoon Island fällt das Wasser von ca. 50 cm auf 5 Meter ab. Hier ist ein Schutzgebiet und man kann erahnen wie toll es einmal in der Lagune zum Schnorcheln gewesen sein muss. Am beeindruckendsten sind die riesigen Clams, bis einem Meter groß und in wunderschönen Farben.

Solche Riesenmuscheln haben wir noch nie gesehen. Honeymoon Island selbst ist in 10 Minuten umrundet.

Die brütenden Red Tailed Tropic Birds sind gar nicht scheu und bleiben ohne zu zucken wie echte Models auf den Nestern sitzen.

Kurz vor One Foot Island ist eine große Sandbank, von der aus wir zur Insel laufen. Die Sonne ist nun genau über uns, das gleißende Licht auf dem weißen Sand lässt alles unwirklich erscheinen.


One Foot Island hat zwar keine Bewohner, aber ein Postoffice und für $2 kann man seinen Pass stempeln lassen. zum Lunch gibt es: gegrillten Thunfisch, Brotfrucht, Nudelsalat, Kartoffelsalat, Baumspinat, Würstchen und viele Beilagen.


Zum zweiten Schnorcheln kommen uns fünf 80...100 cm große Giant Trevallies (Giant Kingfish, Barrier Trevally, Ulua, oder GT) besuchen. Die kreisen die ganze Zeit im flachen Wasser um uns herum. Der Guide bittet uns Ringe vom Finger zu ziehen weil sie wie Squids blinken und somit die Fische danach schnappen. Mein leuchtend weißes Schnorchelshirt scheint den gleichen Eindruck bei den Fischen zu hinterlassen.

Irgendwie will einer gar nicht von mir lassen. Das ist mir dann doch zu unheimlich und ich gehe wieder an Bord. Da es Raubfische sind, werden sie erst gefüttert, als keiner mehr im Wasser ist.

Im Koru Cafe gibt es zum Mittag live Musik mit 'bring our own ukulele'. Ein Alleinunterhalter macht per Computer den Grundsound und spielt Saxophon, Gitarre, Mundharmonika oder singt dazu. Nur drei aus dem Publikum trauen sich, aber die können gut singen.

Wir probieren die selbst zubereitete Spezialität des Hauses Bananen-Kokos-Pudding.

Das war mal wieder ein Anlaß für Dieter ans Üben zu denken, und als Erfrischung schön kalter Kokosnußsaft.

Am Sonntag besuchen wir erneut die Cook Island Christian Church. Es ist hier noch schöner als auf Rarotonga. Es wird auf Maori gepredigt und gesungen. Manchmal wird die englische Übersetzung per Beamer an die Wand geworfen. Es beginnt wie Karaoke singen, die Musik kommt vom Band und die Sänger stimmen ein. Das ist jedoch nur zum Warmmachen. Dann steht nach jedem kurzen Gebet oder Predigt jemand auf und beginnt eine Melodie lautstark anzusingen, dann fallen die anderen ein. Jeder weiß, wann er dran ist, abwechselnd Männer, Frauen und auch alle gemeinsam. Es ist ein toller mehrstimmiger Gesang, und das ohne Chorleiter! Die könnten unbesehen beim deutschen Chorwettbewerb mitmachen.

Am Nachmittag finden wir bei der Aitutaki Lodge einen sehr schönen Schnorchelstrand. Man kommt sehr gut ins Wasser und die Tiefe ist ausreichend. Wir sehen etliche Clams und sogar einen Crown Of Thrones.

In Tupuna's Gartenrestaurant sind wir zwar die ersten Gäste, aber nach 20 Minuten sehen wir, warum man bestellen muss. Es ist kein Platz mehr frei. Wir bekommen die letzten beiden Coco-Splashs, die sind so lecker und wir hätten gern noch mehr davon. Wir teilen uns die äußerst reichlichen Gerichte, einen Fischsalat mit Zitrone in Kokosnuss, Scampisalat und eine riesige Fischplatte. Die Kokosnuss lassen wir uns zum Mitnehmen einwickeln.

Wir wollen unbedingt den mit 124 Metern höchsten Berg Aitutakis besteigen, aber nicht in der prallen Sonne. Also stehen wir um 6:30 Uhr auf und erklimmen ihn. Die ersten 80...90 Höhenmeter schummeln wir allerdings und fahren mit dem Moped.

Auf der Inselrundfahrt begegnen uns die Schulkinder, denn es ist Schulschluss. Einige Kinder fahren mit dem Fahrrad und einige werden abgeholt.

Zwei Kinder passen locker auf einen Scooter. auch wenn Big-Mama fährt! Jerico geht zu Fuß, da er nur einen kurzen Heimweg hat.


Überhaupt geht es sehr entspannt beim Scooter fahren zu. Die Kleinkinder werden mit einem Strick am Rücken des Fahrers festgebunden und los geht es. Säuglinge kann man auch auf dem Arm halten und mit der anderen Hand lenken.

Am Abend fahren wir zu Pira noch einmal Krabben fangen. Unsere Ausbaute sind 21 Stück. Die Fahrt ist etwas abenteuerlich, denn nun fällt das Licht am Moped ganz aus. Also müssen unsere Taschenlampen als Beleuchtung für die Straße herhalten, auf der Insel kein Problem.

Am Morgen steigen wir in die Kajaks und paddeln eine Stunde in der Lagune umher. Gegen den Wind ist es recht anstrengend.

Zum Mittag bringt Pira gemästete Krabben mit und unterweist uns in der Kunst des Zubereitens. Dazu wird Taro gekocht und Kokossoße frisch zubereitet. Die Nüsse müssen jedoch erst geerntet und geschält werden. Mit einem Haken an einer langen Stange zerren wir grüne Kokosnüsse zum Trinken und braune für die Soße von den Palmen.

Das Schälen ist eine schweißtreibende Tätigkeit. Besonders die leichten braunen Nüsse lassen sich sehr schwer schälen.


Für die Kokossoße muss das Kokosnussfleisch geraspelt, mit Wasser versetzt, ordentlich durchgerührt, ausgedrückt und mit Zitrone und Salz abgeschmeckt werden.

Das Fett aus dem Inneren der Krabben schmeckt sehr streng und leicht bitter. Die Einheimischen lieben diesen herben Geschmack. Uns schmecken die Scheren und Beine besser, hmmm Crab Legs.

In unserer letzten Nacht werden wir durch merkwürdigen Lärm geweckt. Wir finden nicht heraus, woher dieses eigenartige Poltern kommt. Am Morgen sieht Dieter eine riesige Krabbe, die sich am Geländer unserer Veranda eingeklemmt hat. Als Pira kommt, befreien wir die Krabbe gemeinsam, stecken sie in einen Sack und geben ihr ein wenig Kokosfleisch, damit sie nicht vor Entkräftung stirbt. Pira ist über diese große Krabbe total begeistert, die Großen sind besonders fett.


Es ist auf Aitutaki zwar heißer als auf Rarotonga, aber natürlich erleben wir hier durch Piras 'Familienanschluss' wesentlich mehr und selbst Pira scheint mit uns ihren Spaß gehabt zu haben. Auch das Schnorcheln ist interessanter als in der Lagune von Rarotonga. Wir besichtigen noch die ungenutzte Wohnung über dem Büro unseres Motels und machen Vorschläge für einen Umbau. Natürlich damit wir es als Winterquartier nutzen können.

Nach vier Wochen faulenzen und Wärme genießen ist es ganz schön schwer Abschied von den Cook Islands zu nehmen. Nur nette Leute um uns herum, überall Lächeln und Winken, vorwiegend sonniges Wetter, üppige Natur sowie jeden Tag lecker Kugeleis und schnorcheln im warmen Wasser der Lagune. Und dann sieht es auch noch so kitschig aus wie im Paradies! Das wird hart werden auf Neuseeland, da heißt es nicht mehr jeden Morgen 'willkommen zum neuen wundervollen Tag im Paradies'. Auf NZ ist zwar Frühling, jedoch fällt der in diesem Jahr kälter und regenreicher aus als gewöhnlich. Na, das hatten wir schon im September. Aber nun sind unsere Körper aufgeheizt und sonnenverwöhnt, wie das wohl werden wird? Und an Wärme können wir uns ganz schnell gewöhnen, an Kälte eigentlich gar nicht.