Der Flieger geht erst am Nachmittag und so verabschieden wir uns von Vanuatu mit einem Lunch, denn im Flieger gibt es Essen nur noch gegen Bezahlung zu unangemessen Preise. Den Bus zum Airport stoppen wir wieder durch Hand heben, klappt sofort. Die Einreise in Australien ist völlig unbeschwert. Bei der Stichprobe nach Rauschgift und Sprengstoff wird man sogar höflich gefragt, ob man etwas gegen die Kontrolle des Gepäcks habe. Sportgerät wie Flossen oder Zelt sollte man in der Südsee stets separat dabei haben, sie werden auf Sauberkeit kontrolliert. Hat man sie im Koffer, heißt es auspacken. Das hatten wir bereits bei unserer ersten Reise nach Neuseeland, denn unsere Wanderstiefel waren im Koffer. Deshalb tragen wir unsere Flossen im Handgepäck. Ein Kontrollblick genügt und wir dürfen durch. Bei der Ankunft in Brisbane stellen wir die Uhr eine Stunden zurück, in Melbourne ist es plötzlich wieder eine Stunde vor, obwohl wir nur nach Süden geflogen sind, kleine Verwirrung: Melbourne hat Sommerzeit. Es ist Mitternacht, wir sind müde und nur zehn Schritte vom ParkRoyal Hotel entfernt, $395 die halbe Nacht, was soll's. Das Zimmer ist wunderschön mit gefühltem Himmelbett. Doch bevor wir dort hineinfallen wird die Badewanne genutzt und das Frühstück ist einfach fantastisch. Wir wohnen in der 9. Etage und beobachten am Morgen das Starten und Landen der Flieger eine gute Stunde lang, sehr spannend.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren wir ans andere Ende der 4 Millionenstadt zur Campervermietung und übernehmen unseren Toyota ganz easy. Nun noch Lebensmittel auffüllen. Wir landen in einem riesigen Food Tempel mit Gemüsemarkt, Fleischer und sogar Aldi, den gibt es jedoch nur in New South Wales, Victoria und Queensland. Die östliche Umgebung Melbournes mit dem touristischen Highlight 'Philipp Island' lassen wir ganz aus und entscheiden uns für die Great Ocean Road. Dabei ist die Straße mit ihren Ausblicken auf die zerklüftete Felsküste und den Ozean das eigentliche Ziel. Wir nutzen die i-Sites, und bekommen für die einzelnen Streckenabschnitte jede Menge Informationen, Kartenmaterial und 'must see'-Tipps, was wir nach den spärlichen Informationen auf Vanuatu äußerst wohlwollend annehmen. Die Straße ist touristisch super erschlossen und bei asiatischen Busreisenden sehr beliebt, so ist man wenigstens nie allein. Nur das Fotografieren ist etwas kompliziert, da jeder Busreisende mit dem entsprechenden Hintergrund fotografiert werden muss, während der Rest der Mannschaft zuschaut und lautstark Ratschläge erteilt. Ein Vorbeikommen ist unmöglich. Trotzdem fahren wir jeden ausgewiesenen Punkt an. Geelong wird von den meisten Touristen links liegen gelassen, obwohl es eine sehr schöne Stadt und die Ballarine Peninsula eine Reise wert ist. Im Flying Brigg Cider House kann man Cider kosten und auch kaufen, wir entscheiden uns für beides.

Unterwegs beäugen uns wieder viele Schafe, einige mit ganz kleinen Lämmern, andere riesengroß, so ca. einen Meter hoch, was für Riesen! In Queenscliff sehen wir die ersten Pelikane.

Und wie beantwortet man die Frage „Sind Vögel mit rotem Kopf Papageien?“. Am besten mit Fotos.


Das Wollmuseum beherbergt die fantastische Fotoausstellung der besten Wildlife Fotos 2014 (wer möchte kann unter http://www.nhm.ac.uk/visit-us/wpy/gallery einen Blick hineinwerfen). Aber auch die Wollausstellung vom Scheren bis zum fertigen Produkt Wolle und deren Verarbeitung in riesigen Strick- und Webmaschinen fasziniert uns länger als geplant.

Zwischen Torquay und Anglesea begutachten wir die vielen Surfer, aber olympiaverdächtig ist dann doch keiner, nicht einmal am Bells Beach. Die in jedem Reiseführer erwähnten Kängurus auf dem Golfplatz von Angelsea sind ziemlich doof. Sie haben eine Marke in jedem Ohr und tragen auf dem Halsband ihren Namen. In unseren Campground kommt zur Dämmerung eine Kängurumama mit Kind und verlangt laut knurrend nach Futter. Die hat zwar keinen Knopf am Ohr, aber an Menschen gewöhnt ist sie ebenfalls und hat somit eine recht geringe Fluchtdistanz.

Der Strand von Aireyes Inlet bietet sich für eine Wanderung geradezu an und Teddys Lookout in Lorne offeriert zwar schöne Aussichten, aber leider keine Koalas.


In den Erskine Falls tröpfelt ein kleines bisschen Wasser, das die Bezeichnung 'Fall' in keinster Weise verdient und so lassen wir uns im Künstler Café Kaffee und Kuchen, umgeben von tollen Bildern und Skulpturen, schmecken.

Der Campground von Kennett River ist für seine Papageien bekannt und so halten hier jede Menge Reisebusse, um die mittlerweile bettelnden Vögel zu füttern und zu fotografieren.

Im Campground selbst ist es etwas stiller und wir beobachten die ersten Koalas. Einer schläft im Baum neben unserem Camper und ein Kookaburra (lachender Hans) stellt sich für eine Fotosession zur Verfügung. Die Belohnung dafür holt er sich vom Tisch des Nachbarn.

Wir verlassen in Skenes Creek die Great Ocean Road und fahren zehn Kilometer durch einen schönen alten und sehr imponierenden Eukalyptuswald zum Otway Fly Treetop.

Der Trail windet sich in 30 Metern Höhe über 600 Meter durch die Eukalyptusbäume, eine Herausforderung für Leute mit Höhenangst. Ich gehe den Weg ganz langsam und genieße sogar einige Zeit den schönen Rundumblick, bis einige wilde Kinder die Hängebrücken zum Schaukeln bringen. Der Aussichtsturm ist sogar 45 Meter hoch, und ich war oben! Es hat mir aber nichts gebracht, der Turm schwankt ganz schön im Wind. Selbst ein Paar Kindern schiessen auf dem Turm die Tränen in die Augen und sie klammern sich für den Weg hinunter am Geländer fest.

Im Bimbi Park am Cape Otway konnten wir in der Dämmerung nach Herzenslust Koalas beobachten und fotografieren. Man hörte sie im umliegenden Wald kräftig rufen, offensichtlich ist noch Paarungszeit. Ein Kleiner scheint jedoch Angst zu haben, er schreit wie ein Baby, evtl. vertreibt seine Mutter ihn gerade, weil sie ein neues Kind im Beutel hat.

An der Shipwreck Coast, die sich von Port Fairy bis zum Cape Otway erstreckt, liegen etwa 80 Schiffswracks, davon einige Teile direkt am Strand. Vielen sind am Moonlight Head die 100 steilen Stufen zum Strand zu anstrengend, uns nicht. So laufen wir fast allein zu den alten Wrackteilen.

Das wunderschöne Naturcamp in Princetown liegt im Zentrum eines ziemlich großen Reviers von knapp 60 Riesenkängurus, davon mindestens zwei bei Muttern im Beutel. Diese Kängurus haben jedoch eine viel höhere Fluchtdistanz als die an Menschen gewöhnte Tiere. Sie lassen uns maximal zehn Meter an sich heran. Wir sehen sie jedoch miteinander 'ringen' und 'boxen'. Und in der Dämmerung grasen sie um unseren Camper herum. Leider ist es dann zu dunkel für ein Foto.

Zu den 12 Aposteln, von denen nur noch 8 vorhanden sind, gibt es etliche Aussichtspunkte mit zahlreichen Wanderwegen, wir gehen sämtliche kurze Trails.


An der Loch Ard Gorge ist es uns zu voll und so fahren wir bereits am frühen Nachmittag nach Port Campbell zum Campground. Neben uns hat ein Fotograf aus Adelaide sein Zelt aufgebaut. Auch er ist vor den asiatischen Massen auf der Great Ocean Road geflohen. So ist für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Die Chinesen machen es einem auch nicht leicht, 'political korrect' von ihnen zu denken.

Abends versuchen wir es erneut mit der Loch Ard Gorge, nun macht das Herumlaufen und Fotografieren richtig Spaß. Es ist gerade Brutzeit der Mutton Birds (Sturmvögel) und so sehen wir nach der Dämmerung 1.000e Mutton Birds zu ihren Nestern zurückkehren.

Wir stürzen uns erneut in die Massen von Bay of Islands, The Arch, The Grotto und London Bridge.

Einige Strände sind jedoch gesperrt, weil es hier Pinguinkolonien gibt. Ein schöner Anblick, der Strand ist nur von Pinguinfüßen 'zertrampelt'.


An die großen Temperaturschwankungen haben wir uns noch nicht gewöhnt, tagsüber bis 33°C und nachts schon Mal unter 10°C. Dementsprechend kühl sind auch die Abende. Dieter ist das zu kalt und so unterbricht er unser Abstinenzlerdasein und kauft Rotwein. Der wärmt so schön durch. Und wenn welcher da ist, dann lehnt Fritzi ihn natürlich nicht ab. Für Biertrinker ist Australien eher ein Alptraum: ein Sixpack 0,33l kostet mehr als ein Kasten 20x0,5l in Germany. Flaschenwein ist teuer als der gleiche Wein in Deutschland. Kauft man ihn dagegen im vier Liter Karton, so ist der Wein plötzlich sehr preiswert.
Auf Griffiths Island brütet ebenfalls eine Kolonie von Sturmvögeln und hier darf man die Insel betreten und auf einem Rundweg direkt an den Nestmulden vorbei wandern. Aber erst stellen sich die wenig scheuen Wallabys für ein Paar Fotos in Positur.

Die jungen Sturmtaucher verstecken sich tagsüber in den Erdmulden. Nach der Dämmerung tauchen wie aus dem Nichts plötzlich 1.000e Altvögel auf und sausen so dicht an uns vorbei, dass wir den 'Fahrtwind' spüren. Sie setzen sich nicht, sondern nehmen Kontakt mit den noch flugunfähigen Jungen auf und brausen weiter durch die Luft. Plötzlich stolpert uns ein schwarzes Knäuel über die Füße. Huch, schnell die Taschenlampe an! Es sind die fast ausgewachsenen Jungvögel die hungrig auf ihre Eltern warten. Wer hat sich nun mehr erschrocken, wir oder das Küken?

Mittlerweile verlassen wir den meist befahrenen Teil der Great Ocean Road und entkommen somit dem Touristress. In der Touristinformation erhalten wir zwei tolle Karten mit vielen nützlichen Hinweisen: Limestone Coast und Kanawinka Geotrail. Im Mt. Eccles NP sind wir wieder fast allein. Von den 10.000 angepriesenen Koalas sehen wir immerhin zwei, bei der Größe des Parks aber verständlich. Die Straße zum Cape Bridgewater ist mit Wallabyleichen gepflastert, es muss hier sehr viele Wallabys geben. Wir wandern zu den bizarren Felssäulen, die wie Baumstämme wirken, und zu den Blowholes.

Am Strand neben dem Bridgewater Lake brechen fünf bis sechs Wellen hintereinander und so bildet die Gischt eine Dunstwolke über dem Wasser. Es ist wie in einem großen Inhalator. Trotz strahlend blauem Himmel stehen wir im Nebel.

Die riesigen Sanddünen locken zum darin Herumtoben. Die Wege dorthin sind unbefestigt und für unseren Camper gerade noch passierbar, es rüttelt jedoch gewaltig. Am Swan Lake ist große Buggy Race und die Dünen sind für uns gesperrt. So bleibt uns nichts als die riesigen, aus den Dünen kommende Kisten mit ihren 6l-Motoren zu bewundern, denn es sind ausschließlich zahlende Mitglieder des Race Clubs zugelassen.

An den Stränden darf man lebende Muscheln sammeln, fünf Liter mit Schale oder einen Liter ohne Schale. Wie man die Muscheln fängt, konnten wir allerdings nicht erfahren.
In Nelson treffen wir Rebekka und Hendrik, die in einem umgebauten 4WD Geländewagen Australien ein Jahr lang bereisen. Wir schauen ganz neidisch, denn mit dem Teil hätten wir die 16 km Dünenweg (ist hier als Straße ausgeschildert) locker genommen. Man braucht in Australien nicht zwingend 4WD. Will man jedoch hin und wieder die ausgetretenen Touristenpfade verlassen, so ist es unentbehrlich. Etliche Straßen zu Scenic Lockouts oder einsamen Stränden, wobei hier sämtliche Strände einsam sind, erfordern leider 4WD.
Die Glenelg River Gorge im Nelson NP ist nicht besonders spektakulär, aber wir sehen als Ausgleich jede Menge Rotnackenwallabys.
Dieter wagt sich in das kristallklare Wasser der Piccaninnie Ponds zum Schnorcheln. Es ist so klar, dass man bis zu 40 Meter tief sehen kann. Es ist wunderschön, mir jedoch zu kalt, 10°C bis 15°C. Es gibt sogar eine Höhle von 100 Metern Tiefe, in die man mit tauchen darf, jedoch nur mit Permit.

Nun wird es Zeit für victorianisches Resteessen. Es gelten strenge Regeln für die Einfuhr von Lebensmitteln zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Es dürfen keine frischen Früchte, Gemüse, Honig, Federn (somit auch Daunenschläfsack und Kopfkissen) oder frische Kräuter von Victoria nach Südaustralien mitgenommen werden. So verarbeiten wir lieber sämtliche Lebensmittel, denn die Strafen sind hoch. Wir überqueren die Grenze von Victoria nach South Australia und haben Glück, keine Kontrollen. Dafür müssen wir die Uhr sage und schreibe eine HALBE Stunde zurück stellen.
Noch einmal versuchen wir es mit Fish & Ships in Port Macdonnall. Nun reicht es wieder für lange Zeit. Mir wäre ein Fischbrötchen lieber gewesen als die pappigen Fritten. Aber das bleibt dann doch uns Norddeutschen vorbehalten. Oder wagt sich jemand südlich von Hamburg an ein Fischbrötchen heran?

Es wird Zeit zum Verschnaufen, wir sind ein wenig abgetourt und bleiben für zwei Tage in Mount Gambier. Hier hat jeder Stellplatz eine eigene Dusche mit Klo, ist das herrlich. Außerdem gibt es Internet ohne Begrenzung. Endlich können wir mails beantworten und die seit Tagen im Speicher liegenden abschicken, ebenso den Bericht über Vanuatu fertig stellen. Nachts ist es sooo kalt, wir holen zusätzlich unsere Schlafsäcke raus. Wir umrunden den Blue Lake, vom winterlichen graugrün wechselt seine Farbe im Sommer auf türkisblau, und staunen über das Umpherston Sinkhole, einen Karsttrichter.


In Millicent biegen wir zum Tourist Drive ab, denn die Woakwine Range Wind Farm, größte der südlichen Hemisphäre, interessiert uns sehr. Im Canunda NP sind wir wieder ganz allein mit einigen Kängurus und Emus und endlosen Stränden.

Auf der Straße sonnt sich eine Schlange, wir springen raus zum Fotografieren. Mist, der Van rollt! Reinspringen, Handbremse ziehen: als des Auto kurz vor dem Graben zum Stehen kommt, ist die Schlange weg, kein Foto. Nur große Aufregung! Nach weiteren 10 km bemerken wir, dass Fritzis Sonnenbrille fehlt, kann nur bei der Schlange verloren gegangen sein. Also fahren wir die 10 km zurück. Hurra, die Brille liegt heil am Straßenrand.
Mr. McCort begann im Mai 1957 den Sumpf auf seinem Farmland durch einen Graben zu entwässern. Mit schwerem Gerät und nur einem Gehilfen beendete er seine Arbeit Anfang 1960. Der Graben ist einen Kilometer lang und maximal 34 Meter tief, Hut ab!

An der Langustenküste zwischen Beachport und Kingston wollen wir endlich auch Langusten, heißen hier Lobster, essen. Robe liegt sehr schön an der Bucht mit dem türkisblauen Wasser, aber die Restaurants sind geschlossen, es ist früher Nachmittag. So hoffen wir auf Kingston, das soll die Langustenstadt sein. Gefangen werden offensichtlich auch viele, nur leider gibt es keine zum Essen. Aber Larry, the big Lobster, steht am Ortseingang und verkündet angeberisch von den Fängen.

Nur sehr wenige Touristen zieht es auf der Strecke nach Adelaide in den Coorong NP. So sind wir fast allein auf der Straße und nehmen jeden Abstecher, der nicht 4WD erfordert. Die Seen im NP sind beinahe ausgetrocknet und viele haben sich in Salzseen verwandelt. Eine faszinierende Landschaft mit angepasster Pflanzenwelt.

Auf der gleißenden Fläche wirken die Emus wie im Schnee.

Den "gestrandeten Wal“ lassen wir natürlich auch nicht aus.


Aber die versprochenen Pelikane an Jacks Point sind nur recht spärlich vertreten. Der Flieger in Melbourne wartet nicht und so müssen wir leider den Coorong NP verlassen und übernachten in Tailem Bend direkt am Murray River, wunderschön gelegen, aber was ist Internet? So bleibt uns nur, mit Beobachtung von Pelikanen, Schlangenhalsvögeln, Tauben und vielen anderen Vögel die Zeit zu vertreiben.

Wir brausen auf der langweiligen Autobahn durch bis Padthaway. Hier ist Weingegend und wir stoßen auf etliche, auch in Deutschland bekannte Namen.

Die Wet Cave im Caves NP Naracoorte und World Heritage Center besichtigen wir 'self guided'. Das angeschlossenen Museum mit Dinoausstellung ist sehr interessant. Die Dinos sind jedoch ganz andere als wir sie kennen, nicht mal einen T-Rex gab es hier. Uns erstaunt die völlig andere Entwicklung von Australiens Tierwelt. Der Kontinents ist irgendwann von der Antarktis aus nach Norden getrieben und beheimatet ursprünglich keine der bei uns lebenden Tiere. In der späten Dämmerung beobachten wir den Ausflug der 26.473 Fledermäuse, bei 23.467 haben wir uns verzählt und wissen nun nicht, ob die angegebene Zahl tatsächlich stimmt.
Huch, die Wannon Falls sind einfach leer, kein Tröpfchen Wasser.
In Penola bucht die nette Dame der Tourist Information für uns den primitiven Campingplatz mitten im Grampiens NP. Wir übernachten für $37 in der Jimmy Creek Camping Area mit Trockenklo, Buschdusche (Eimer am Haken) und privaten Kängurus. Wie sich dieser Preis ergibt, erschließt sich Niemandem. Wir haben den Verdacht, die anderen drei Camper sind 'illegal' hier.

Morgens weckt uns der Krawall einer Schar weißer Kakadus. Wen das Flöten einer Amsel am frühen Morgen stört, der darf nicht im australischen Bush übernachten.


Wir laufen zur Spitze des 1.167 Meter hohen Mt. William. Man hat einen schönen Überblick, ist allerdings nicht besonders spektakulär. Über die C222 fahren bis Roses Gap Road, halten an jedem Aussichtspunkt und nehmen die kleinen Trails zum Reed Lookout und zu den Balconies.

McKenzie Falls wollen wir eigentlich auslassen, aber bergauf und bergab laufen hatten wir heute noch nicht. Dann hören wir sogar Wasser rauschen. Es ist tatsächlich beeindruckend.

In Roses Gap Road sind die Auswirkungen des Buschbrandes deutlich zu sehen und es wird klar, warum dieser Teil des NP geschlossen wurde. Nach 17 Kilometern ist die Straße plötzlich gesperrt. Dieter versucht durch das Sandauge das Sperrschild zu umfahren. Es kommt, wie es kommen muss: festgefahren. Wir legen Äste unter die Räder aber es hilft nichts, sie drehen durch. Dann versuchen wir es doch mit guter alter Trabantmanier - schieben. Nach einigem Hin- und Hergewackel schaffen wir es endlich. Wir sind total verschwitzt und sehen aus wie kleine Ferkel. Auf der A8 brausen wir nach Ararat zum Camp mit Facilities und duschen. Ein herrliches Gefühl, endlich sauber.
Ein bisschen Enttäuscht sind wir schon, weil wir die in jedem Visitor Centre angepriesenen alten 'Blue Gum Trees' nicht gefunden haben. Irgendwie begreifen wir dann, dass die Eukalyptusbäume hier Gum Tree heißen, und die hatten wir natürlich jede Menge.
Ballarat ist eine Stadt, die zu Zeiten des Goldrausches entstanden ist, entsprechend prunkvoll sind etliche Gebäude. So bummeln wir durch die schöne Stadt und gönnen uns Kaffee und heiße Schokolade bevor wir uns ins Getümmel von Melbourne stürzen.

Dieter will Fritzis Nerven testen und lotst sie in Melbourne direkt zum Southern Cross (ist wie Berliner Alex mit Massen Touris, Straßenbahnen, Bussen, Umsteige zur Metro ….). Dieter schwitzt zwar mehr als Fritzi, doch mit dem CamperVan mitten durch Melbourne ist auch nicht schlecht. Etliche hupen, weil wir nicht schnell genug sind für die Millionenstadt. Lass sie hupen, hebt uns nicht an, den Stinkefinger hat Fritzi sich allerdings verkniffen. Und manchmal sollte ein Mann auf seine Frau hören, wenn sie bereits bei der Autobahnabfahrt sagt, dass wir viel weiter nördlich und nicht im Süden in die Stadt fahren müssen. Navi eben, leider gibt es etliche Elizabeth Straßen in Melbourne, welche ist denn nun die richtige?

Die PLZ sagt es uns und dann finden wir auch endlich den Big4 Holiday Park. Aber das Internet ist ein Witz: 50 MB pro Aufenthalt, also für drei Tage. Armin ruft an und Erik ist völlig irritiert, da wir uns nur unterhalten und er uns somit nicht auf dem Bildschirm sehen kann. Ist trotzdem bereits nach 5 Minuten vorbei. Wir kaufen 300 MB für $7,50 dazu, rufen noch einmal an, diesmal mit Kamera, Erik ist total begeistert, er hatte schon rumgeheult, wo Oma und Opa sind. Als er uns nun sieht, freut er sich wie ein Schneekönig und winkt und wirft uns gleich Handküsse zu. So ein begeistertes Kind haben wir lange nicht mehr gesehen!

Mit der Straßenbahn fahren wir in die Innenstadt und bummeln in der Brunswick Street im Stadtteil Fitzroy die Straße rauf und runter. Wir sehen sehr interessante Völkchen in jeder der Unmengen von Kneipen und Bars. Im „Marios“ essen wir super Nudeln. Schmeckt das lecker nach vier Monaten Nudelentzug! Melbourne ist eine wunderschöne, sehr moderne Stadt mit seeehr breiten Straßen. Angeblich haben die Städteplaner sie so angelegt, damit man Schafe dort weiden kann. Es geht hier ziemlich entspannt zu. Der Spruch auf dem Stadtplan sagt viel:

Die Aussicht vom Eureka Tower in 285 Metern über Melbourne ist traumhaft. Als besonderen Gag gibt es „The Edge“, einen Raum mit Glaswänden und Glasfußboden der seitlich aus dem Gebäude gefahren wird. Dieter lässt sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Fritzi wird drinnen an der Seite mit den nach außen geneigten Fenstern schon schlecht.



Natürlich hat auch Melbourne vom Goldrausch des 19.Jahrhunderts profitiert, aber auch noch heute scheint es der Stadt sehr gut zu gehen. Zu Beginn diesen Jahres wurde der gesamte Innenstadtbereich (ca. 2,5 x 1,5 km) als „Free Tram Zone“ deklariert, d.h. alle Straßenbahnen in diesem Bereich sind kostenfrei.


Wir erwarteten viel Ähnlichkeiten zwischen Neuseeland und Australien. In Australien ist das, was wir bisher gesehen haben, viel schöner und ordentlicher. Die Grundstücke und Häuser sind sehr groß, sehr englisch und sehr gepflegt. Mit tollen Vorgärten, manche wie botanische Gärten, und kein irgendwie hingemölter Schuppen. Australien scheint ein sehr reiches Land zu sein und ist ein Mekka für Steak Esser. Ein wunderbares Rindersteak hat den halben Preis im Vergleich zur Heimat, dafür war es nie eingefroren und ist um Vieles zarter. An zahlreichen Stellen gibt es sehr gepflegte Grünanlagen, Parks oder Picknick-Plätze. Dort stehen dann Gas-Grills zur freien Nutzung. Man drückt einen Knopf, nach 10 Minuten ist der BBQ heiß, Steak, Zwiebeln und Kartoffeln drauf, fertig ist ein tolles Dinner. Na, und die Tierwelt ist ebenfalls fantastisch. Nicht nur die Kängurus und Koalas begeistern, auch Vögel gibt es jede Menge. Überall ist ein Zwitschern und Tirilieren, manchmal auch eher an Krach erinnernde Geräusche, zu hören. Leider haben die meisten Vögel eine sehr große Fluchtdistanz und flattern viel zu schnell hin und her. So haben wir von etlichen noch keine Fotos.