Wir haben uns zu Hause nicht so richtig wieder eingewöhnt und sind froh, endlich starten zu können. Unsere erste neue Erfahrung: mit der Eisenbahn kommt man auch bequem zum Hamburger Flughafen. Der Zug ist angenehm leise und wir stellen erneut fest, Mecklenburg ist ein wunderschönes Land.
In London startet der Flieger zu spät, und so haben wir in Chicago nur etwas mehr als eine Stunde Zeit den nächsten Flieger zu erreichen. Großes Chaos auf dem riesigen Flughafen, gefühlte 1.000 Passagiere müssen durch die Einreiseprozedur. Es gibt auch in die Massen gebrüllte Ansagen, die nicht einmal akustisch zu verstehen sind, und auf Nachfrage erhält man einfach keine Antwort. Diesmal können wir uns auch nicht vorbei drängeln, es heißt stets 'es ist noch ausreichend Zeit, bitte hinten anstellen'. Und so warten wir bei der Einreise, der wiederholten Kofferkontrolle und der Security und die Zeit läuft uns davon. Als wir endlich zehn Minuten vor Abflug am Gate ankommen, ist alles bereits zu. So ein Mist, und nun!? Für uns wird dann doch die Tür noch einmal geöffnet und der Kapitän darf seine Ansage wiederholen, aber scheißegal, wir sind im Flieger!
Bei Vollmond erreichen wir unser altehrwürdiges, wunderschön restauriertes Mayflower Park Hotel aus dem Jahre 1927 in Down Town Seattle.

Nach 26 Stunden ohne Schlaf und mit neun Stunden Zeitverschiebung sind wir ein wenig durch den Wind, also nur noch schlafen. Natürlich sind wir trotzdem gegen 4:00 Uhr morgens wach, kennen wir aber schon. Dem Hotel sind das Andaluca, ein mediterranes Restaurant, sowie das Oliver´s, eine nette Bar, angeschlossen. Beide locken uns mit ihrem stilvollen Ambiente, hervorragender Küche und neckischen Spirituosen.
Wir bummeln zum Pike Place Market und schauen den marktschreierischen Fischverkäufern zu. Es ist wirklich ein Spektakel, gut choreographiert und eingespielt. Der Rest ist ziemlich viel Touri Nepp.

Im Columbia Center genießen wir in der 72. Etage des Sky View Observatory einen wunderschönen 360°-Blick über Seattle und den Mt. Rainier. Das steht in keinem Reiseführer und es ist fast leer, kein Vergleich mit den Massen von New York.

So entspannt hatten wir noch keine Wahnsinnsaussicht und kosten diese herrliche Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes bei einem Glas Wein aus. Jedenfalls brauchen wir nicht mehr zur Needle, die proppenvoll und dann auch noch viel kleiner ist.

Wir bummeln ein bisschen um den Pioneer Square und die 'historischen' Gebäude herum.

In Down Town sind die meisten Bänke und andere Sitzgelegenheiten von Obdachlosen besetzt, etliche sitzen oder liegen auch auf dem Gehsteig. Das ist dann die Kehrseite von dem viel gerühmten Selfmade Amerika.
Die Monorail bringt uns zum Seattle Center mit Needle, Chihuly Ausstellung und EMP.

Chihuly hatte uns bereits in Las Vegas mit seiner Installation im Ballagio fasziniert. Diese Ausstellung zeigt seine Glaskunst mit Unterwasserwelt, Blumen, Kronleuchter und etliches mehr. Wir sind total begeistert.

Das von Paul Allen, dem Mitbegründer von Microsoft, gestiftete Experience Music Project ist ein Museum für populäre Musik und wurde im Jahr 2000 eröffnet. Zur Zeit sind die Ausstellungen 'Star Wars and the Power of Costume', 'Wild Blue Angel Jimmy Hendrix', 'The Animation Art of Chuck Jones', 'Infinite Worlds of Science Fiction', 'Nirvana: Taking Punk To The Masses', 'Indie Game Revolution', 'World of Fantasy' und 'Wie werden Horror Filme gedreht' in den unteren Etagen im Angebot.
Musikinteressierten steht die gesamte oberste Etage zur Verfügung. Man kann verschiedenen Instrumente und Verstärker ausprobieren und ein komplettes Studio für eine eigene Aufnahme nutzen und erhält auch noch eine CD davon zum Mitnehmen.

Zurück gehen wir durch den Olympic Sculpture Park. Der ist zwar ziemlich dicht am Wasser, aber in Seattle gibt es keine wirkliche Seefront. Man befindet sich irgendwie immer zwischen Autobahn und Industrieanlagen.

Abends probieren wir dann endlich einen Martini, einen mit Gin und einen mit Wodka. Beide schmecken uns gar nicht und können wir nur mit einer Menge Ginger Ale herunter bekommen. Dann nehmen doch wieder unseren geliebten Mai Tai, der schmeckt wenigstens lecker.

Von Seattle müssen wir nach Bellingham zur Fähre der Inside Passage, das ist lt. Internet ganz einfach mit Bus oder Bahn zu bewältigen. Die Concerge im Hotel kann jedoch nichts für uns finden, denn es ist Ferienzeit und somit Greyhound und Amtrak ausgebucht, kosten außerdem knapp $170 für zwei Personen. Dann eben doch einen Mietwagen. Hätten wir auch gleich drauf kommen können, schließlich sind wir in Amerika!
Bei der der Autovermietung ist nur noch ein roter Camaro zu haben, ohne Aufpreis. Aber wir haben nur ein One-Way-Auto gemietet und das schicke Teil mit den Riesenlatschen und den Röhren als Auspuff muss in Seattle bleiben. Schade, also warten wir bis ein anderes Auto abgegeben und gereinigt ist. Die Autobahn ist proppenvoll und wir benötigen für die 90 Meilen knapp drei Stunden.
Bellingham ist ein nettes kleines Örtchen mit vielen Restaurants, was sonst bei dem Touristenansturm.

Unsere Kabine auf der Fähre ist größer als erwartet, Waschbecken, WC, Dusche und natürlich Doppelstockbetten. Das ist jedoch breit genug für uns beide und so nutzen wir das zweite Bett als Ablagefläche.
Man kann die Fähre auch ohne Kabine buchen und die 'Eisenharten' beginnen ihre Zelte an Deck aufzubauen.

Nach dem Ablegen und aufkommendem Wind sind einige Zelte kurz vor dem Abheben und werden versuchsweise mit meterweise Panzertape gesichert, viele auch ganz abgebaut.

In der Cafeteria gibt es nicht nur typisches Fastfood, es sind diverse Salate und auch Obst zu humanen Preisen erhältlich. Der Kaffee ist besser als an mancher Tanke und für $1,50 hat man sogar einen Refill. Gerade haben wir so halbwegs die Zeitumstellung verkraftet, nun heißt es schon wieder die Uhr eine Stunde zurück stellen - Alaska Time.
Bei traumhaftem Wetter verlassen wir den Hafen und genießen die Fahrt durch die wunderschöne Inselwelt. Wasser, Berge, Inseln, Sonne, Wind, ab und zu ein Buckel- oder Schweinswal und etliche Adler. Orcas sind leider nicht dabei.

  Die Inside Passage ist touristisch nicht so spektakulär wie die Hurtig Routen. Man fährt zwar äußerst dicht an den Inseln vorbei, es gibt jedoch nur wenige anzufahrende Ortschaften, und erst nach 36 Stunden erreicht man den ersten Fährhafen. Die Fahrt mit dem Postschiff der Hurtig Routen ist weitaus interessanter. Alle Paar Stunden ein Stopp, und ob Tag oder Nacht, man kann im Hellen einen Stadtbummel unternehmen, die Mitternachtssonne macht es bereits kurz vor Bodø möglich. Die Inside Passage liegt wesentlich südlicher, so dass es hier auch richtige Nächte gibt. 

Es bleibt somit nur, die schöne Landschaft zu genießen, lesen, schlafen, essen, alles ziemlich altersgerecht. Dadurch haben wir genügend Zeit zum Ausruhen und hoffentlich auch auskurieren. Wir haben allerdings absolutes Glück, denn die strahlende Sonne ermöglicht es, stundenlang im Freien zu sitzen. Sonnenbrand lässt grüßen, denn wer denkt bei dem kalten Wind schon an Sonnenschutz, ih - eincremen.

Die Stopps in den drei Häfen bis Juneau bringen keine Abwechslung. Hier liegen die Fährhäfen weit außerhalb der Ortschaften, die man dann nur mit Taxi erreichen kann. Das ist für eine Stunde jedoch zu kurz. Somit laufen wir in Ketchikan ein bisschen in der Hafenanlage umher, lohnt sich aber nicht. In Wrangel und Petersburg gehen wir gar nicht erst von Bord.
Die Anleger direkt in den Ortschaften sind den Cruise Linern vorbehalten.

Die schneebedeckten Berge kommen näher und das Fahrwasser wird immer enger, manchmal bedrohlich eng, doch wir haben Vertrauen zum Kapitän.

Um 5:30 Uhr am Morgen verlassen wir in Juneau die Fähre. Nun sind wir in Alaska!