Auf wunderschönen Nebenstraßen fahren wir zurück nach Coulee Dam. Die Hinweisschilder auf 'Kirschen' am Straßenrand sind sehr verlockend und bei bereits wieder 30°C eine willkommene Erfrischung. Wir biegen jedoch eine Einfahrt zu früh ab und landen bei einem älteren Herrn auf dem Hof. Nach kurzem 'Woher' und 'Wohin' schenkt John uns eine Flasche seines Kirschweines, denn Kirschen hat er leider nicht mehr, nur noch verarbeitete. Er erzählt von seinen norwegischen Großeltern aus Trondheim und zeigt uns seine alte Singer Nähmaschine, die nicht richtig funktioniert. Dieter erkennt natürlich den Fehler: Faden zu straff gespannt. Das wird augenblicklich in Ordnung gebracht und John beginnt sofort seine zerrissene Jeans zu flicken. Die leckeren Kirschen hohlen wir uns dann eine Einfahrt weiter.

Schon wieder Uhren umstellen, wir sind in Idaho. Nach ein 1/2 Tagen Fahrt erreichen wir Coulee Dam, nehmen die vergessene Kamera in Empfang und brausen zurück. Es bleibt beim Uhren umstellen, wir haben wieder Mountain Time.
In St. Regis wechseln wir von der I 90 auf den wunderschönen Hwy 135. Oh, Schreck, vergessen zu tanken. Und nun? Weit und breit keine Tankstelle, weiter bis Perma - auch nix, weitere 19 Meilen bis Dixon, und noch sechs Meilen bis Ravalli - sieht gut aus. Oh, nein, die Tankstelle ist geschlossen, Schweißperlen auf der Stirn? Sechs Meilen weiter in St. Ignatius endlich eine Tankstelle.
Brot brauchen wir auch noch und so nehmen wir das superteure Wattebrot. Und auch kein Motel in Sicht, nach weiteren zwölf Meilen zu guter letzt ein Motel in Ronan. Bloß noch einchecken und Abendbrot essen. Das teure Brot ist drei Tage überlagert und schimmlig. OK, dann gehen wir eben essen. Aber außer nach Qualm und schalem Bier stinkende 'Restaurants' mit ziemlich angeheiterten Gästen finden wir nur Hinweisschilder mit der Bitte, nicht aggressiv in die Kneipe zu kommen und keine Schlägerei vom Zaune zu brechen. Mist, nun müssen wir doch noch los und Brot suchen. Diesmal ist es einfacher, nach nur drei Meilen entdecken wir eine Grocery, in der es sogar frisches Brot gibt.
Morgens fahren wir den Self Guided Drive durch die Bison Range in großartiger Landschaft.

Wir sehen jede Menge Pronghorns, Mulee Deers, einen Wapiti mit Riesengeweih, und natürlich viele Bisons.

In (Town of) Hot Springs (500 Einwohner) soll es ein Blues Festival geben. Na, das ist doch etwas für uns. Im historischen Symes Hotel sind noch genau zwei Zimmer frei, eins mit und eins ohne Toilette. Für welches entscheiden wir uns wohl?

Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, überall stinkt es nach faulen Eiern, Zimmer, Wäsche, Wasser. Na ja, eben Mineralquelle. Aber dieses Schwefelwasser soll so heilsam sein wie die Quellen im berühmten Baden Baden. Das Hotel wurde 1929 als Heilbad gebaut und für die Warmwasserversorgung sämtlicher Hotelzimmer die Thermalquellen genutzt. So ist es auch heute noch. Viele, der oft gebrechlichen Hotelgäste, genießen das Wasser zur Verbesserung ihrer Gesundheit und hocken den ganzen Tag in den Außenpools herum. Das skurile Ambiente und die schrillen Leute kommen uns vor wie eine Reise in die Rocky Horror Picture Show.

Die Rezeptions Dame erzählt uns noch, dass ihre Großeltern aus Grimmen kommen. Sie könne allerdings nicht hin um es sich anzuschauen, da das heute Rußland wäre. Wir erklären ihr zwar, dass Grimmen in der Nähe unserer Heimatstadt liegt und wir keine Russen sind, aber sie bleibt skeptisch. Und wir fragen uns, wie man von Grimmen nach Hot Springs MT kommt.

Am späten Nachmittag verteilen sich die Zuschauer auf dem Rasen, jeder hat reichlich Platz.

Wir sind die Einzigen, die wegen der Musik angereist sind. Bei den Hinterwäldlern geht es hauptsächlich um fette Burger und ordentlich den Durst zu stillen. Damit es auch für uns authentisch ist, essen und trinken wir nur das, was im Angebot ist. Der Wein schmeckt wie leichter Essig mit ganz viel Zucker drin, das Bier wird vom Faß in eine Kanne gefüllt und von dort in die Pappbecher, aber es mundet. Auch das Essen ist viel besser, als erwartet. Es gibt wirklich selbst gemachte (nicht aus dem Eimer) Couscous- und Nudelsalate, Burger und sogar zwei Sorten vegetarische Burger. Das schmeckt richtig gut, man braucht das labberige Brötchen ja nicht zu nehmen.
Das Festival beginnt um 18:00 Uhr mit einer ortsansässigen Band. Danach mischen sechs junge Burschen aus Missoula mit ihrer 'Three Eared Dog Band' ganz schön auf. Wir sind echt begeistert.

Am Morgen erscheinen etliche Festivalzuschauer bereits zum Frühstück mit ganz dunkler Sonnenbrille, woran das wohl liegt?

In Missoula stillen wir unseren Appetit auf Steak. Das 'Outback' ist dafür immer eine gute Wahl, nur der Mai Tai schmeckt gewöhnungsbedürftig. Blaubeersirup ersetzt den angepriesenen 'dark' Rum. Aua, ist das süß.

Das Museum der Smoky Jumpers, den speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten zur Waldbrandbekämpfung, enttäuscht ein wenig.
Die ausgestellten Hacken und Schaufeln reißen uns nicht vom Hocker und die Multimedia Präsentation, wegen der wir eigentlich gekommen sind, steht leider wegen fehlender Verbindung zum Server nicht zur Verfügung. Sehr schade, aber wer kennt nicht Probleme mit Computern!
Beim Bummeln durch die Stadt werden wir hungrig. Wir versuchen es mit einer Vorspeise, vegetarische Quesadilla. Die schmeckt super lecker, ist riesengroß und wie immer ausreichend für uns beide.
Dem Verkehrsschild nach kommt die Kundschaft jedoch nicht nur zum Essen.

Die Wolken hängen tief, es regnet und es wird immer kälter; nur noch 39°F und Sturm, Mann, ist das kalt. Da verkneifen wir uns die Wanderung im Big Hole National Battlefield. So bleibt nur das Visitor Center mit Film zur Geschichte der Nez Percé. Wir fahren mitten durch die Rockies und stehen im Nebel, keine guten Aussichten. In Virginia City und in Ennis haben wir ebenfalls keine Lust, in Regen und Kälte die 'historischen' Häuser anzuschauen. Es schifft, schifft, schifft ...
Über Nacht schneit es. Auf der Fahrt zum Yellowstone Park ist es immer noch trüb und wir können die frisch bepuderten Berge leider nicht bewundern.
Die Auswirkungen des Erdbebens der Stärke 7,5 von 1959 kann man in der Earthquake Area immer noch gut erkennen. Kurz vor Mitternacht des 17. August begrub der durch das Erdbeben ausgelöste Erdrutsch 19 Menschen auf dem Campingplatz am Madison River, zerstörte kilometerlange Abschnitte des Highways und staute den Madison River gefährlich auf. Der dadurch entstandene Quake Lake ist fast 60 m tief und 10 km lang.

Für die restlichen zwei Meilen bis zum Parkeingang benötigen wir 45 Minuten. Auch im Park nur stop and go. Nach knapp einer Stunde sind wir am Madison Visitor Center. Der Parkplatz ist rappeldicke voll, keine Chance. Nach weiteren 45 Minuten sind wir am Visitor Center Old Faithfull, auch hier geht Nichts mehr, riesige Lodges, Gift Shops, eine autobahnähnliche Abfahrt, riesige Parkplätze auf denen bereits alles zugeparkt ist. Wir ergattern jedoch einen der begehrten 'Außenplätze' hinter den Lodges. Und es kommen immer noch mehr Autos.
Der Beehive Geysir spuckt für ca. fünf Minuten eine 60 Meter hohe Fontäne aus. Eine donnernde Dampf-Phase schließt die Eruption ab.

Etwa eine Stunde später schließt sich Old Faithful nach umfangreichem 'Vorspiel' (etliche kleine Eruptionen) mit einem schmalem Wasserstrahl von knapp 50 Metern an. Es sind unbeschreibliche Massen von Leuten dort.

Wir benötigten eine Stunde zum Verlassen des Parkplatzes. Wir meiden die Westseite des Parkes (Zufahrt zu Old Faithful) und bleiben auf der Ostseite. Wir fahren etliche kleine Byways, stoppen an den Aussichtspunkten, nutzen die Trails zu kleinen Wanderungen und sehen dabei einige Bisons aus der Ferne, etliche Wapitikühe mit Kalb, Bald Eagle und jede Menge Fischadler.

Wenn nun ein Grizzly in der Ferne zu sehen ist, wird die Straße sogar gesperrt. Blaulicht, Krankenwagen und dutzende von Rangern, die versuchen den Verkehr mit Armkreisen zu regeln. Wir wissen 'Brust und Rücken, Bremse drücken' und erregen damit den Unmut der Ranger, wir sollen bitte weiter fahren und NICHT anhalten, egal wie er steht. Eventuell wäre ein Lehrgang für Handregelung ganz hilfreich?
Es ist chaotisch, sooo viele Autos und Menschen haben wir nur in NY City erlebt, ob das dem NP gut tut?
Wir übernachten im KOA kurz vor dem Park, auch diese Nacht ist ziemlich kühl.

Den Park erreichen wir morgens ganz früh und somit noch ohne Stau. Da die buchbaren Campgrounds bereits bis Ende August belegt sind, brausen wir bis zum Norris Campground mit 'first come, first serve' und erhalten vom Ranger den letzten Platz, für disabled people und nur für eine Nacht! Es ist erst 9:00 Uhr und alles bereits 'Full'.
Wieder ein großer Auflauf: ein Grizzly mit 2 Jungen ist in etwa 200 Metern Entfernung zu sehen. Das gleiche Spektakel gibt es allerdings auch, wenn sich eine Bisonherde ziemlich dicht an der Staße aufhält, denn die Brunft beginnt und etliche Männchen sind bereits leicht erregt. Es hat in diesem Jahr schon fünf Unfälle mit Bisons gegeben, und das noch vor der Brunftzeit. Plötzlich steht vor unserem parkenden Auto ein großer Bisonbulle, ich springe sofort ins Auto zurück und schließe das Fenster. Mit den Hörnern möchte ich keine Bekanntschaft schließen. Der laut brummende Koloß geht knapp 50 cm an mir vorbei und ich Schisser traue mich erst, das Fenster für ein Foto zu öffnen, als der Kopf die Fahrertür passiert hat.

Wir beobachten noch eine ganze Weile eine Herde von 80 Tieren. So eine große Bisonherde haben wir bisher noch nicht gesehen.
Lower und Upper Fall im Grand Canyon des Yellowstone River sind ziemlich beeindruckend, aber auch hier Menschenmassen.

Mitten im Canyon auf einem Hoodoo ein Fischadlernest mit zwei Jungvögeln, die ihre Schwingen für den ersten Flugversuch trainieren. Sie werden dazu immer wieder von den Altvögeln ermuntert.
Es ist uns zu voll und so verbringen wir den Nachmittag lesend auf dem Campground in der wunderschönen Natur. Abens fahren wir zum nun fast menschenleeren Norris Geysir Basin und geniessen die vielen kleinen Gysire.

Es ist Blue Moon, der zweite Vollmond in diesem Monat. Das passiert nur etwa 41 Mal pro Jahrhundert. Und im Jahr 2018 wird es sogar im Januar und März einen Blue Moon geben, dafür im Februar gar keinen Vollmond. Der Mond scheint so hell, daß es zum Fotographieren reicht.

Wir sind ca. 2.300 Meter hoch und die Nacht ist lausig kalt. Aber mit dicker Luftmatratze, Decke, Schlafsack und Wolldecke obendrauf überstehen wir das gut. Bereits ab 7:00 Uhr kreisen Autos auf dem Zeltplatz, um von den Abreisenden die frei werdende Site zu ergattern. Wir hauen ab und erhalten auf dem Mammoth Campground einen ziemlich guten Platz. Hier ist es nicht ganz so schön wie auf dem Norris Campground dafür wesentlich entspannter und auch die Toiletten sind bedeutend besser.
Nach den Tagen des Trubels wählen wir die einsame Wanderung zu den Biberteichen. Allerdings sind die versprochenen Biber hier seit Jahren nicht mehr ansässig, die Bauten sind völlig verwahrlost. Dafür entschädigen uns die fotogenen Backenhörnchen.

Bei 'nur' noch 1.800 Meter Höhe und 30°C sind wir nach fünf Meilen mit 400 Metern Höhenunterschied ein wenig geschafft.

Abends schauen wir noch zu den beeindruckenden Sinterterassen und einem 'perlenden Geysir'.

Und Dieter übt das Zähne fletschen für das Familienalbum.

 

Einige üben mit 'tollen' Wanderschuhen.

Unser Platz im Campground ist doch besser als gedacht, unser Auto steht mitten auf der Wapiti Route. Die Tiere sind aus der Nähe doch ganz schön groß. Leider hören wir nachts keine Wölfe heulen, obwohl es sie genau hier geben soll.
Auch heute präsentiert sich eine Bisonherde mit mehr als 60 Tieren. 

Ein Stück weiter ist eine noch größere Herde, direkt an und auf der Sraße. Die Ranger haben Streß die neugierigen Touris (natürlich auch uns) auf Abstand und in den Autos zu halten. Unverkennbar sind die Bisons 'in the mood', das Schnauben und Brüllen der Bullen ist nicht zu überhören.

Wir sehen Drohgebärden wie Füße scharren oder im Sand wälzen, sogar Kämpfe.

Und ein Bulle muß den Kampf mit seinem Leben bezahlen.

Wir verlassen den Park mit den Hunderten von Bikern und suchen uns in Cody ein Motel. Drei Tage ohne fließendes Wasser sind für uns Zivilisationsverwöhnte genug, wir sehnen uns vor allen Dingen nach einer Dusche. Es gibt 'Vacancy' zu üppigen Preisen, denn Cody liegt nur 50 Meilen vom NP entfernt.
Die Hauptstraße von Cody ist zu beiden Seiten mit Bikes zugeparkt. Sie sind auf der Fahrt zu dem 7.000 Seelen Dorf Sturgis, wo in diesem Jahr der 75. Geburtstag der Sturgis Motorcycle Ralley gefeiert wird. Jeder eingefleischte Biker möchte das wenigstens einmal erleben: Bikes, soweit das Auge reicht, natürlich überwiegend Harleys. Sie parken in Fünferreihen auf der Main Street. Auch für Unterhaltung ist reichlich gesorgt. In diesem Jahr reisen sogar Lynyrd Skynyrd, Def Leppard, Five Finger Death Punch und Brantley Gilbert an. Wir haben schon zu Hause darüber nachgedacht, die erste Augustwoche in Sturgis zu verbringen, liegt ja irgendwie auf der Route. Dieter wollte sich dort ein Moped leihen und das Auto eine Woche stehen lassen bzw. als Schlafplatz nutzen. Jedoch waren sämtliche Zeltplätze bereits ausgebucht und die Hotelpreise sind in schwindelhafte Höhen gestiegen, bis zum fünffachen des normalen Preises, und Bikes sind ein Jahr im Voraus ausgebucht. Und dann mit Tausenden Bikes in einem Pulk zu fahren, ist für Dieter etwas zuviel des Guten. Naja, so haben wir das bereits zu Hause abgewählt. Aber das Herz blutet Dieter dann doch angesichts der vielen Harleys. Wenn einer mit ihm tauschen würde, Dieter würde sofort aufsteigen. Nun rückt die Kalifornien Bike-Tour doch wieder ziemlich an die Spitze unserer nächsten Urlaubspläne.
Abends erleben wir unser erstes Rodeo, 1/3 der Zuschauer sind selbstverständlich Harleyfahrer auf dem Weg nach Sturgis. Damit auch eingefleichte Cowboys wenigstens einmal den Hut abnehmen, wird zu Beginn des Rodeos die Nationalhymne gespielt.
Bullen reiten ist ziemlich doof, keiner schafft die geforderten acht Sekunden auf dem Bullenrücken.

Ähnlich ist es bei den Bucking Horses, aber hier gelingt es wenigstens Einem, die acht Sekunden oben zu bleiben.

Interessant sind freilich die bockenden Pferde, wenn kein Reiter mehr auf ihnen hockt und sie wahre Luftsprünge vollführen. Kälber fangen ist dagegen viel interessanter. Wie gut ausgebildet diese Pferde sein müssen, um den Ruck zu parieren und das Lasso straff zu halten, damit der Cowboy sein Werk vollenden kann. Aber am schönsten ist das Tonnenreiten der Damen. Der Parkour erinnert an eine Regattastrecke. Allerdings müssen die Tonnen vollkommen umrundet werden. Fällt eine Tonne um, gibt es Penalties. Die Siegerin war wohl erst 13 Jahre alt, sie ist geritten wie der Teufel, einfach Spitze!